Windkraft im Wald

Windenergie stellt aus Sicht von Naturschutzverbänden neben der Stromerzeugung aus Solarenergie den wichtigsten Baustein einer zukunftsfähigen Energieversorgung dar. Der Ausbau der Windenergie ist essentiell für den Atomausstieg wie auch für den Klimaschutz[1][2][3][4].

 

Bei Windkraft im Wald werden durch

  • Einhaltung der Anforderungen: Naturschutz, Windkraft im Wald
  • lokale Standortwahl mit der notwendigen Sensibilität
  • Untersuchung der Auswirkungen (Avifauna Gutachten) sowie konsequente Berücksichtigung geeigneter Maßnahmen bei Bau und Betrieb der Anlagen

in der Regel nur gut erschlossene, intensiv genutzte Wirtschaftswälder als Standorte für Wind- energieanlagen in Frage kommen. Dort sind die möglichen Konfliktpotentiale überschaubar. Mögliche erhebliche Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes sind kompensierbar[3]. Der Flächenbedarf für ein Windrad im Wald ist gering und kann durch gute Standortwahl und Einsatz aktueller Technik noch weiter minimiert werden (vgl. Flächenbedarf),

Windkraft: Offshore versus Windkraft an Land

Der Vorteile eines Betriebs von Windenergieanlagen im Meer (Offshore) liegen in einem größeren und gleichmäßigeren Energieertrag. Sie ist mit spezifischen Problemen des Naturschutzes und der Prävention von Schiffsunfällen verbunden[1].

 

Unter Berücksichtigung von Kriterien des Naturschutzes und Immissionsschutzes bietet die Windkraftnutzung an Land (onshore) weiterhin sehr große Potentiale. Die Erzeugung von Windstrom an Land ist deutlich kostengünstiger als Windkraft Offshore[1]

Wald

Das Ökosystem Wald unterscheidet sich deutlich von den Ökosystemen des Offenlandes. Das Waldklima ist ausgeglichen und geschlossene Stoffkreisläufe überwiegen. Die Tiere des Waldes nutzen diese Besonderheiten und verlassen den schützenden Baumbereich nur selten. Doch handelt es sich auch hier um eine seit Jahrtausenden genutzte und geprägte Kulturlandschaft. Sie ist auf die Standorte zurückgedrängt, die für die Landwirtschaft nicht geeignet sind. Verändert ist ebenso die Zusammensetzung der Baumarten und die Bäume selbst werden forstwirtschaftlich genutzt, lange bevor sie durch Faulstellen, Astbrüche, Höhlen oder stehendes Totholz ihre besondere ökologische Bedeutung erlangen[2]. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der uns heute bekannte Wald, im Wesentlichen eine Abfolge unterschiedlicher forstlicher Bewirtschaftungsformen der letzten rund 120 bis 170 Jahren ist (Wirtschaftswald) und nur noch kleine Urwaldrelikte besitzt[3].

 

Die moderne Forstwirtschaft sichert Elemente der Wildnis auch im Wirtschaftswald. Das nachhaltige Wirtschaften zeigt Erfolge, eine Zunahme der Artenvielfalt in Deutschen Wäldern ist festzustellen. Doch ein Schutz ist nur in dem Maße möglich, in dem die Gesellschaft dies duldet. Erholungssuchende und Freizeitsportler haben den Wunsch nach Erschließung. Die Holzindustrie will über die nationale Versorgung hinaus den Export von Holz durchführen. Die Nachfrage nach Brennholz sowie der Bedarf der Hackschnitzelindustrie ist rapide gestiegen[3].

Anforderungen der Naturschutzverbände an Windkraft im Wald

Wälder gibt es vielfach gerade dort, wo der Wind weht. Und sie sind in der Regel weiter von Wohnsiedlungen entfernt als Bereiche der offenen Landschaft. Nutzung der Windkraft an Land (onshore) bedeutet deshalb in waldreichen Bundesländern wie Hessen insbesondere auch Windkraft im Wald. Aus Wäldern heraus sind Windräder kaum wahrzunehmen. Überwiegend ist der Wald  forstwirtschaftlich genutzt und meist mit gut belastbaren Wegen erschlossen[2].

 

Neben den wenigen Urwäldern sollten Waldgebiete von der Planung für Windräder ausgenommen werden, die in einem weitgehend naturnahen Zustand mit einem hohen Anteil alter, höhlenreicher Bäume bzw. liegendem und stehendem Totholz sind. Solche natürlich funktionierenden Wälder sind Lebensraum hoch spezialisierter, den Menschen meidender Tierarten, die eines besonderen Schutzes gegenüber von WEA ausgehenden Wirkungen bedürfen[2]. Demgegenüber bieten gut erschlossene Wirtschaftswälder, insbesondere Fichtenkulturen, gutes Potenzial für die Errichtung von Windkraftanlagen.

 

Viele der Tiere, die im Offenland im Konflikt mit der Windenergienutzung stehen, kommen in Wäldern gar nicht vor. Die Tiere des Waldes nutzen entweder sehr große Räume, so dass sie den Windenergieanlagen ausweichen können, oder sie leben kleinräumig in solchen Bereichen, die von den Rotoren über dem Wald kaum berührt werden[2]

Fichtenplantagen

Entscheidend für die Naturverträglichkeit von Windenergieanlagen ist der Standort.

 

Der Konfliktschwerpunkt liegt aus Sicht des Naturschutzes bei den Gefahren durch Wind- kraftanlagen für Vogel- und Fledermausarten. Trotz Ausweisung von Vorrangflächen, die die Belange des Naturschutz berücksichtigt, ist ein Fachgutachten zum Naturschutz (Avifauna-Untersuchung) jedes einzelnen Standortes im Genehmigungsverfahren zwingend erforderlich.

 

Die Anforderungen zur Windenergienutzung im Wald sind[1]:

  • Umwelt- und Naturschutzbelange sind umfassend zu prüfen und vorrangig zu berücksichtigen
  • infrastrukturell bereits belastete Flächen sollen vor unbelasteten Flächen ausgewählt werden
  • keine Höhenbegrenzungen von Windenergieanlagen auf Vorrangstandorten da mit größerer Höhe ein größerer Energieertrag realisierbar ist und für die gesamte Stromproduktion aus Windkraft daher weniger Anlagen erforderlich sind
  • Auswirkungen auf spezielle, besonders gefährdete Tierarten sind detailliert zu erfassen wobei Daten und Fakten von bestehenden Anlagen zu verwerten sind
  • die untere Rotorkante soll einen Abstand zum Kronendach von mindestens 60 m aufweisen, wenn dies am Standort für schützenswerte Tierarten erforderlich ist
  • sofern technische Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, ist von der Möglichkeit der Abschaltung in den Hauptgefährdungszeiten Gebrauch zu machen
  • der Schutz von Fledermäusen ist besonders zu beachten
    • Windkraftnutzung im Wald sollte nicht erfolgen, wenn nachweislich besonders geschützte und bedrohte Fledermausarten erheblich in ihrem Bestand beeinträchtigt werden könnten oder Zugrouten betroffen sind
    • es ist zu erwarten, dass durch Anlagen mit höheren Masten das Kollisionsrisiko deutlich reduziert wird
    • mögliche Beeinträchtigungen von Fledermäusen können durch gezielte Abschaltung der Windenergieanlagen in bestimmten Zeiten minimiert werden
  • bestimmte Abstände zu Brutvorkommen besonders bedrohter Arten sind im Einzelfall gutachterlich im Genehmigungsverfahren zu prüfen

Fotos v-o-n-u.: 

  • Windräder im Wald: © Hessen-Forst 2012
  • Morgensonne im Nadelwald: © Rainer Sturm / pixelio.de
  • Windrad im Wald: © Hessen-Forst 2012
  • Windpark Heidenrod: © Wiesbadener Kurier / Martin Fromme 2015

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