Windkraftanlagen, ja aber

bitte nur dort, wo sie sinnvoll sind

Die Seiten "Eckdaten" und "Wirtschaftlichkeit" fassen zusammen, dass Windkraftnutzung in Niedernhausen nachhaltig machbar ist: umweltverträglich, wirtschaftlich und sozialverträglich.

 

Darüber hinaus wird die Frage gestellt, ob die Stromversorgung für Niedernhausen nicht durch Windkraftanlagen an "Standorten woanders" viel besser durchgeführt werden kann. "Woanders" ist seitens der Fragesteller nicht mit konkreten und realistischen Standorten unterlegt, so dass ein detaillierter Vergleich der Standorte nicht möglich ist. Folgende Grundaussagen sind trotzdem erkennbar:

 

Mögliche Beeinträchtigungen für Menschen: "Woanders" in Deutschland leben auch Menschen, die den gleichen Anspruch auf Rücksichtnahme bei Errichtung von Windenergieanlagen haben. Die Dichte an bereits bestehenden WEA an der Küste und Nord- sowie Ostdeutschland ist im Vergleich zu Hessen sehr hoch, so dass hier kaum wesentliche Vorteile der anderen Standorte zu erwarten sind, auch wenn es sicher weniger dicht besiedelte Gebiete als Niedernhausen gibt.

 

Naturschutz: unter "Tierwelt" und "Vogelarten" ist herausgearbeitet, dass nach bisherigem Kenntnisstand kaum Beeinträchtigungen in Niedernhausen zu erwarten sind. Für den Schutz des Rotmilan gibt es konkrete Vorschläge. Stellt man nun die Windkraftanlagen für die Stromversorgung Niedernhausens "woanders" hin, muss man die Frage zum Vogelschutz an diesen Standorten im Vergleich zu Niedernhausen beantworten. Der NABU will den Ausbau der Windkraftanlagen in Bundesländern eindämmen, die bereits eine hohe Dichte an WEA haben. Wie die Liste der windkraftempfindlichen Vogelarten zeigt, ist an Standorten in der Nähe von Gewässern und Feuchtgebieten mit erheblich mehr Konfliktpotential im Bereich Vogelschutz zu rechnen, als dies in Niedernhausen der Fall ist.

Bei Windkraft auf See sind ebenfalls seltene Vogelarten wie z.B. Stern- und Prachttaucher zu schützen. Zusätzlich kommen weitere Themen wie z.B. der Schutz des Schweinswal hinzu.
mehr: Nabu [03.02.2014]: Zweifelhafte Offshorewindparks

Windkraftanlagen, ja - aber bitte nur dort, wo sie wirtschaftlicher sind

Frage: kann denn nicht das gleiche Windrad an anderer Stelle viel wirtschaftlicher Strom erzeugen?

 

Beispiel: Windkraft offshore anstatt in Niedernhausen:
Antwort:
Nein. Unter „Entwicklung und Trends“ und „Einflussgrößen auf Ertrag“ ist am Vergleich von Windkraft onshore und Windkraft offshore herausgearbeitet, dass dem nicht so ist. Auf See gibt es zwar höhere und konstantere Windgeschwindigkeit, was sich in hohen Volllaststunden (laut dena 3000 bis 4500) auszahlt. Trotzdem sind aufgrund der umweltbedingten Herausforderungen an die Technik die Stromgestehungskosten bei Windkraft offshore sehr viel höher als bei Windkraft an Land und dies wird auch langfristig so bleiben.

 

Beispiel: Windkraft im Norden (z.B. Küste, Norddeutschland, Dänemark) anstatt in Niedernhausen:

Antwort: bei o.g. Betrachtung wird auch gezeigt, dass sich die technische Entwicklung von WEAs in drei Anwendungsgebiete differenziert: Binnenland-WEA, WEA die für die Offshore Umgebungsbedingungen, weitere Leistungssteigerung bei Windrädern wie sie geeignet sind für den Einsatz an der Küste und der norddeutschen Tiefebene. Sprich - es macht keinen Sinn, eine Binnenland-WEA an die Küste oder in die norddeutsche Tiefebene zu stellen. Dort ist entsprechend der lokalen Standortbedingungen zu planen.

 

Konkurrierende Standorte in unserer Region werden hier zunächst  nicht näher betrachtet.

Kostenoptimaler Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland

Eine Anfang März 2013 veröffentlichte Studie[1] vergleicht Szenarien zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Die produzierte Strommenge ist in allen Szenarien gleich groß, es würde aber ein unterschiedlich starker Ausbau erfolgen bei

  • Windkraft offshore
  • "bester Standort": Zubau von Windkraftanlagen vorwiegend an windreichen Standorten im Norden
  • "verbrauchsnaher Ausbau": Zubau von Windkraftanlagen vorwiegend in der Nähe der Verbrauchsschwerpunkte

 

Ergebnisse[1]:

  • In den nächsten 10 Jahren lassen sich rund 20 Milliarden Euro an Kosten für die Energiewende einsparen, wenn der Ausbau der Windkraft  auf dem Meer verlangsamt und stattdessen der Bau von Windrädern an Land beschleunigt wird.
  • Die beiden Wege "Windkraft an Land" führen in etwa zu den gleichen Kosten. Zwar müssen im Szenario „verbrauchsnaher Ausbau“ insgesamt etwas mehr Wind- und Solaranlagen gebaut werden. Da diese aber zu unterschiedlichen Zeiten Strom produzieren und näher am Verbrauch ins Netz einspeisen, entlasten sie das Stromsystem und müssen deutlich seltener gedrosselt werden als die Anlagen im Szenario „bester Standort“.
  • Der mittlerweile beschlossene Ausbau der Stromnetze wird benötigt. Ein verzögerter Ausbau würde die Energiewende aber nicht "abwürgen" und nicht notwendigerweise teurer machen. Mit dem Bau neuer Wind- und Solarkraftwerke muss daher nicht gewartet werden, bis die Stromleitungen des Bundesbedarfsplangesetzes realisiert sind. Einer häufigeren Drosselung an windigen oder sonnigen Tagen bei einem verzögerten Netzausbau stehen Einsparungen durch verzögerte Investitionen in Leitungen gegenüber.

Fazit

Ja zu Windkraftanlagen in Niedernhausen.

Sie sind im Vergleich zu Standorten "woanders" sinnvoll.

  • im Vergleich zu Standorten auf dem Meer sind Windkraftanlagen in Niedernhausen aus Sicht von  Wirtschaftlichkeit und Naturschutz deutlich sinnvoller
  • im Vergleich zu Standorten an der Küste bzw in Norddeutschland ergeben sich lt. der Studie "Kostenoptimaler Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland" keine relevanten wirtschaftlichen Unterschiede

 

Bild: Windrad Enercon E-115: © 2012 ENERCON GmbH / enercon

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