Windkraft, Unfälle, Arbeitsunfälle, Brandschutz

Unfall- und Schadenrisiko: Vergleich Wind-, Kohle und Atomkraft

Fehlerfreie Technik gibt es nicht. Die häufigste Fehler- oder Unfallursache bei Bau, Betrieb und Rückbau von Technik ist aber der Mensch. Wer sich um Unfall- und Schadenrisiken beim Einsatz von Mensch und Technik für die Stromerzeugung sorgt, der sollte sich für Windkraft engagieren, denn bei Windkraft ist sowohl das Unfall- und Schadenrisiko für die Verantwortlichen als auch das Schadenrisiko für Unbeteiligte geringer als bei Atom- oder Kohlekraft.
Details:  Windkraft Unfälle im Vergleich

 

Auf dieser Seite finden Sie:

Unfälle

Unfälle an Windkraftanlagen in Deutschland

Windkraft Unfälle: Vergleich der Unfallgründe Zeitraum 2000-2003 mit Zeitraum 2011-2014

Unfälle an Windkraftanlagen in Deutschland sind sehr selten, die Zahlen haben sich in den letzten 15 Jahren deutlich verringert wobei die Anzahl von Bränden weniger stark abnahm als Unfälle aufgrund anderer Ursachen. Dies zeigt ein Vergleich von Unfallzahlen im Zeitraum 2000-2003 mit 2011-2014. Demnach waren pro Jahr von den in Deutschland installierten Windkraftanlagen durchschnittlich

 

0,02% im Zeitraum von 2011 bis 2014 betroffen; davon

  • 68% Brände
  • 27% hauptsächlich Rotorbruch

0,08% im Zeitraum von 2000 bis 2003 betroffen; davon

  • 48% Brände
  • 53% Rotorbruch, Gondelbruch oder Gesamtbruch
Anzahl Windkraftanlagen in Deutschland

Die Unfälle sind hauptsächlich älteren Windkraftanlagen zuzuordnen und die Zahlen rückläufig (40 Unfälle im Zeitraum 2000-2003 und 22 Unfälle im Zeitraum 2011-2014) was die Aussage des Deutschen Naturschutzring (DNR) bestätigt, dass Windkraftanlagen seit 1996 zunehmend sicherer werden.

Laut dem DNR und dem TÜV-Nord ist die Störanfälligkeit von Windenergieanlagen und das daraus resultierende Unfallrisiko für den Menschen genauso zu beurteilen wie für andere Bereiche auch (Ergänzende Betrachtung - Grundlagen), wobei grundsätzlich zwischen Arbeitsunfällen und Unfallrisiken für Unbeteiligte zu unterschieden ist.

Windkraft: Unfälle an Windkraftanlagen (2000-2014)

Zur Transparenz bei Unfallzahlen und -gründen ist die Windbranche zu kritisieren, da unseres Wissens bislang keine vollständigen Übersichten zu technischen Problemen veröffentlicht wurden. Ersatzweise sind alle Interessierte auf Daten angewiesen, die durch Bürger und Medien gesammelt und veröffentlicht wurden. In den Zeiträumen 2000-2003 sowie 2011-2014 war das öffentliche Interesse zur Windkraft besonders hoch, während von 2004 bis 2007 kaum Daten vorliegen. Für den Zeitraum 2011-2014 wurden zudem in Presseberichten zu 13 Bränden  - mit allem Vorbehalt - auch Angaben zur Schadenhöhe veröffentlicht. Im Mittel sind dies 1,3 Mio. € bei einem Brand wobei der Wert 3-4 Mio. € die höchste dort genannte Summe ist. Insgesamt kann unseres Erachtens der Vergleich der Daten o.g. Zeiträume solange als zielführend angesehen werden, bis die Windbranche vollständige Berichte veröffentlicht.

Bei Bau, Wartung und Rückbau von Windenergieanlagen gibt es Risiken für Arbeitsunfälle, wobei aufgrund der raueren Umweltbedingungen die Risiken im Offshore-Bereich höher sind als dies bei Windkraft an Land der Fall ist.

 

Aus Sicht der Gesellschaft ist das Unfallrisiko für Unbeteiligte allerdings ein sehr viel wichtigeres Thema. Dabei ist klar, dass die Nutzung der Windenergie im Gegensatz zur Nutzung der Atomkraft keine elementaren Gefahren für den Menschen und für die Umwelt birgt. Auch verursacht sie keine Gesundheitsgefährdung oder Beeinträchtigung des Wohlbefindens durch den Ausstoß von Stäuben und Gasen wie die Nutzung fossiler Energieträger. Eine schädliche Veränderung der Erdatmosphäre durch Windenergie findet nicht statt[1].

 

Für Windkraftanlagen sind, über die weiter unten in "Grundlagen" beschriebene, generelle  Betrachtung hinaus, folgende Themen wichtig:

  • Brandschutz
  • Schutz bei Sturm
  • Eiswurf

 

Zum 30.6.2015 waren in Deutschland 25.121 Windenergieanlagen installiert. Mit dieser Entwicklung gab es auch rasanten, technischen Fortschritt. Für die Nutzung von Windenergie im Wald fordern wir deshalb, dass

  1. trotz der sehr geringen Wahrscheinlichkeit von Unfällen und Bränden in Windenergieanlagen dem "Vorbeugen" erste Priorität eingeräumt wird und
  2. deshalb der aktuelle Stand der Technik zum Einsatz kommt

Brandschutz

Brandschutz

Brandschutz beginnt bereits bei der Konzeption und Konstruktion der Anlage. Für Windkraft im Wald sind unsere Anforderungen besonders hoch. Die folgenden, technisch am Markt verfügbaren Vorkehrungen umfassen:

 

Konstruktionsprinzip:

  • getriebeloses System (wo kein Getriebe, da kein Getriebeöl)
  • wenige und langsam drehende Teile
  • Trockentransformator im Turmfuß
  • integrierter Blitzschutz in den Rotorblättern
  • Sensoren / Temperaturfühlern an allen relevanten Stellen
  • Brandmelder
  • automatische Abschaltung bei Temperaturüberschreitung an Sensoren

Betrieb:

  • Fernüberwachung
  • Benachrichtigung der Feuerwehr

 

Ein Einsatz der Feuerwehr würde sich auf Einsätze im Turmfuß bzw. auf die Sicherung des Umfelds konzentrieren.


Zum Thema Qualitätsmanagement berichtet das Windkraft-Journal (17.4.2015) über den Ansatz, die Risikominimierung durch Brandschutz bei Windenergieanlagen über eine Zertifizierung des  Brandschutzsystems zu unterstützen[3].

Sturm

Sturmregelung: moderne Anlagen verfügen über eine "Sturmregelung" um potenziellen, mechanischen Schäden an der Anlage vorzubeugen und die Stabilität des elektrischen Netzes nicht durch schnelle Abschaltung zu gefährden.

Eiswurf

Eiswurf: moderne Anlagen erkennen Eisansatz mittels Sensoren und schalten automatisch ab um Eiswurf zu vermeiden. Moderne Anlagen verfügen bereits standardmäßig über eine Heizung in den Rotorblättern, damit eine Abschaltung in den eher windstarken Wintermonaten gar nicht erst notwendig wird.

Arbeitsunfälle

Arbeitsunfälle

Um Arbeitsunfällen in der Windbranche einordnen zu können, sollte man zunächst einen generellen Überblick zu den Zahlen für Arbeitsunfälle in Deutschland haben:
mehr: BAuA: Meldepflichtige Arbeitsunfälle

Jeder tödliche Arbeitsunfall und jeder Arbeitsunfall mit schweren Folgen für den Betroffenen ist tragisch und ein Unfall zu viel. Der Trend, dass seit 1960 die Anzahl der Arbeitsunfälle deutlich zurückgegangen ist, ist erfreulich. Im Jahr 2012 gab es in Deutschland

  • 39.136.000 Vollbeschäftigte
  • 969.860 meldepflichtige Arbeitsunfälle
  • 677 tödliche Arbeitsunfälle

Arbeitsunfälle Windindustrie

Ende 2012 waren in der Windindustrie

  • 117.860 Menschen beschäftigt

Den Mittelwert an Arbeitsunfällen in Deutschland kann man nun auf die Anzahl der Beschäftigten in der Windbranche umrechnen. Würden also die tatsächlichen Arbeitsunfälle in der Windbranche

  • 2920 meldepflichtige Arbeitsunfälle
  • 2 tödliche Arbeitsunfälle

pro Jahr überschreiten, so wäre die Unfallverhütung in der Windindustrie kritisch zu hinterfragen und Verbesserungen einzufordern. Da uns keine Daten zu meldepflichtigen Arbeitsunfällen aus der Windbranche vorliegen, können wir dies nicht bewerten. Als Indiz kann man allerdings die Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle heranziehen, da solch tragischen Ereignisse in den Medien und im Internet publiziert wurden.

Windkraft an Land: tödliche Arbeitsunfälle 2010-2014

Bei Windkraft an Land sind für die Jahre 2010 bis 2014 im Internet zwei tragische Arbeitsunfälle mit Todesfolge zu finden. Mit allem Vorbehalt zur Vollständigkeit der Informationen würde Windkraft an Land - für sich alleine betrachtet - deutlich sicherer erscheinen als der Durchschnitt anderen Industrien in Deutschland.

Windkraft-Offshore: tödliche Arbeitsunfälle 2010-2014

Bei Windkraft Offshore sind für den gleichen Zeitraum Berichte zu vier tödlichen Unfällen zu finden.

 

Das Risiko für Arbeitsunfälle scheint für die gesamte Windbranche also in etwa genauso zu beurteilen zu sein wie für andere Industrien in Deutschland auch. Es fällt dabei auf, dass das Risiko bei Windkraft Offshore höher ist, als dies bei Windkraft an Land der Fall ist. Darauf deuten sowohl o.g. Zahlen für tödliche Arbeitsunfälle als auch die Unfallgründe hin.

Grundlagen

Ergänzende Betrachtung (Grundlagen)

Auch an Windenergieanlagen kann es zu technischen Störungen oder technischen Schäden kommen, bei denen immer auch ein Unfallrisiko besteht. Die Störanfälligkeit von Windenergieanlagen und das daraus resultierende Unfallrisiko für den Menschen ist dabei genauso zu beurteilen wie für andere Bereiche auch. Dafür gibt es gängige Verfahren, die seit Jahrzehnten angewendet werden[1].

 

Für den Menschen gehen unmittelbare Gefahren von Bauwerken immer dann aus, wenn Teile herunterfallen könnten. Bei Windenergieanlagen könnten solche Situationen entstehen bei

  • Brand
  • Bruch des Rotorblatts
  • Eiswurf
  • Gondelbruch
  • Gesamtbruch

Der TÜV-Nord hat die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Ereignisse ermittelt[1]:

  • 1996-2002: 1 Störfall alle 100-200 Betriebsjahre
  • 2003: 1 Störfall alle 500 Betriebsjahre

Demnach werden die Anlagen seit 1996 zunehmend sicherer.

 

Mit der Ermittlung einer solchen Eintrittswahrscheinlichkeit ist noch nichts über die Gefahr für den Menschen festgestellt. Daher hat der TÜV-Nord noch die Auftreffwahrscheinlichkeit in Abhängigkeit von der Entfernung zum Anlagenstandort ermittelt. Danach kann alle 10.000 bis 100.000 Betriebsjahre ein Trümmerstück von einer Windenergiealage ein Feld von 10x10m in einem Umkreis von 100 m um den Standort treffen[1].

 

Bei den wenigen gravierenden Störfällen der letzten Jahre (Stand DNR Grundlagenanalyse 2012) sind tatsächlich keine Außenstehenden geschädigt worden. Der Schaden lag ausschließlich bei den mit der Errichtung betrauten Unternehmen, den Herstellern oder Betreibern der Windenergieanlagen[1]. Die Schadenshäufigkeit bei Windenergieanlagen ist verschwindend gering. Als Anhaltspunkt wurde errechnet, dass im Durchschnitt von etwa 4000 WEA eine Anlage im Jahr einen Flügelschaden hat, bei dem Teile zu Boden fallen (Daten, 2003). Das Brandrisiko war ebenfalls sehr gering. In 2003 gab es 6 Brände bei 14.283 installierten Anlagen[1], in 2013 waren es 6 Brände bei 23.645 Anlagen und in 2014 brannte es in 3 WEA bei 24.867 Anlagen [vgl. Wikipedia: Liste von Unfällen an Windkraftanlagen in Deutschland, Stand 5.8.2015].

Foto © Dehn/KHLaube / pixelio.de

Besuchen Sie uns auf

foeren.de


Pro Windkraft Niedernhausen

Do

24

Mär

2016

Infraschall - neue Messergebnisse

Neue Messergebnisse zu Infraschall bei Windkraftanlagen und anderen Quellen

mehr lesen

Sa

19

Dez

2015

Wir fusionieren mit Fören e.V.

Mitgliederversammlung beschließt den Zusammenschluss mit Fören e.V.

mehr lesen

Do

10

Dez

2015

Windkraft in Wiesbaden

Verwaltungsgericht weist Klage ab

mehr lesen

So

06

Dez

2015

Klimagipfel in Paris

Presse zu Klimagipfel in Paris

mehr lesen

Do

26

Nov

2015

Ausstieg aus der Braunkohle

Spektakuläre Wende: Bundesregierung erwägt, noch in der laufenden Legislaturperiode den Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung zu organisieren

mehr lesen

Di

24

Nov

2015

Preise müssen ökologische Wahrheit sagen

CO2-Steuer, Ökosteuer: was man heute tun kann, um die Dynamik des Raubbaus zu bremsen

mehr lesen

Mo

23

Nov

2015

Wiesbaden: Windkraft Pläne ausgelegt

Genehmigungsantrag inkl. Unterlagen zum geplanten Windpark auf der Hohen Wurzel sind von 23.11.2015 bis 22.12.2015 in Wiesbaden und 16 Nachbarkommunen ausgelegt

mehr lesen

Fr

20

Nov

2015

Deutsche Klimaziele in Gefahr

So schaffen wir das nicht! Mit der aktuellen Politik wird Deutschland seine Klimaschutzziele nicht erreichen, zeigt die Expertenkommission der Bundesregierung.

mehr lesen

Fr

13

Nov

2015

Teure Braunkohle

Braunkohle in Deutschland verursacht 15 Milliarden Euro Kosten für die Allgemeinheit alleine im Jahr 2015

mehr lesen

Do

12

Nov

2015

Keine Kohle für Kohle

Divestment: erste deutsche Kommune zieht Kapital aus klimaschädlichen Unternehmen ab

mehr lesen

Mi

11

Nov

2015

IEA fordert CO2 Steuer

IEA warnt bei der Vorstellung des "World Energy Outlook 2015" vor zu niedrigen Ölpreisen, fordert eine CO2-Besteuerung und den Abbau von fossilen Subventionen

mehr lesen

Di

10

Nov

2015

Aufrüttelnde Meldungen von WMO und Weltbank zu Klimawandel

CO2 Konzentration steigt auf Rekordwert, 100 Millionen mehr Arme bis 2030 durch Klimawandel, Politiker warnen vor neuen Flüchtlingsstrom

mehr lesen

Di

10

Nov

2015

Fossiles System vor dem Kippen?

Die renommierten Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber und Ottmar Edenhofer äußern sich zur Frage, ob mit dem Klimagipfel in Paris ein Durchbruch erzielt werden kann

mehr lesen

Sa

07

Nov

2015

Braunkohle als "Klimareserve"

8 Braunkohlekraftwerke vor ihrer Stilllegung 4 Jahre als Reservekraftwerke zu nutzen - was bringt Gabriel´s "Gürtel zum Hosenträger"?

mehr lesen
Suchfunktion powered by Google benutzerdefinierte Suche