Keine Gefährdung für Trinkwasser durch Windkraftanlagen

Wasser ist lebensnotwendig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Windkraft ist, neben Wasserkraft, die umweltfreundlichste Form der Energieerzeugung. Laut Deutschem Naturschutzring sind negative Veränderungen durch Verschmutzungen oder sonstige Stoffeinträge  von Bau und Betrieb einer Windkraftanlage nur in unbedeutendem Maß zu erwarten[1].

 

Strengste Einhaltung aller Wasserschutzvorschriften ist von elementarer Bedeutung, wobei Standorte für Windkraftanlagen nur dann innerhalb von Wasserschutzgebieten akzeptabel sind, wenn  die sichere Einhaltung aller Vorgaben vom Bau der Anlage über die komplette Betriebsphase einschließlich Abbau der Anlage gewährleistet ist.

Für die Errichtung von Windkraftanlagen in Wasserschutzgebieten (WSG) gibt es spezifische Regelungen auf Ebene der Bundesländer. Länder wie  Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz orientieren sich an den Zonen der Wasserschutzgebiete (Zone WSG I als Ausschlussgebiet, Zone WSG II als Restriktionsgebiet). Länder wie Nordrhein-Westfalen sehen eine Einzelfallprüfung vor[1]. Kriterien für eine Einzelfallprüfung sind im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens u.a. Ausweisung des Schutzgebietes (Alter), Aufbau, Menge der wassergefährdende Stoffe, WKA-Typ, Tiefe des Fundamentes.

 

Der von der Regionalversammlung Südhessen beschlossene und vom RP Darmstadt mit der ersten Offenlegung (März/April 2014) veröffentlichte Entwurf für Vorranggebiete sieht Wasserschutzgebiete Zone I und II als Ausschlusskriterien an (siehe Standorte).

©Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) 2013: Karte der Trinkwasserschutzgebiete Niedernhausen. Die dargestellten, bzw. in der Geodatenbank erfassten Schutzgebiete stellen den Bearbeitungsstand des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) dar. Es wird darauf hingewiesen, dass die hier vorgelegten Abgrenzungen keine rechtsverbindliche Aussage darstellen und daher nur der Orientierung dienen können. Die rechtsverbindlichen Unterlagen liegen bei dem zuständigen Regierungspräsidium, Abteilung Umwelt (Dez. 41.1 bzw. 31.1). Regierungspräsidium Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt Darmstadt, Dezernat 41.1, Wilhelminenstrasse 1-3, 64278 Darmstadt


Technische Details

Generell sollen Windkraftanlagen hinsichtlich Standort, Bauart, Errichtung und Betrieb auch im Falle von Unfällen keine höheren Risiken darstellen, als andere im Wasserschutzgebiet zulässige Bauwerke und Anlagen.

 

WKA-Typ, Menge an wassergefährdenden Stoffen:

Auf der Seite Unfallgefahr, Brandschutz ist die Art und Wahrscheinlichkeit von möglichen Unfällen bei Windenergieanlagen betrachtet. Obschon bereits mit der Ausweisung von Vorranggebieten sehr strenge Regeln für den Bau von WKA geben sind, macht es Sinn, auf die technischen Möglichkeiten hinzuweisen die Windkraftanlagen noch sicherer machen:

  • getriebeloses System (d.h. kein Getriebeöl)
  • Trockentransformator
  • ausgereiftes Brandschutzkonzept

 

Fundament, versiegelte Fläche:

Auf der Seite Platzbedarf ist die Größe des Fundaments (ca. 350 qm versiegelte Fläche) sowie der Platzbedarf zum Bau, Betrieb, Abbau der Anlage sowie Zuwegung und Vorschläge zu platzsparenden Maßnahmen beschrieben. Die Standortvorschläge folgen dem Ziel, geringstmögliche Eingriffe in Wald und Boden für die WEA zu benötigen.

Fazit: keine Gefährdung für Trinkwasser durch Windkraftanlagen in den ausgewiesenen Vorranggebieten

Beispiel: Debatte in Wiesbaden um Windkraft in WSG III

Ein praktisches Beispiel zu Windkraftanlagen im Wasserschutzgebiet Zone III zeigt die Debatte in Wiesbaden.


November 2014:

Ein Bericht in der Frankfurter Rundschau gibt eine gute Zusammenfassung der Debatte. Dabei wird das Gefährdungspotenzial von WKA für Trinkwasser behandelt und in Bezug zur Wasserschutzzone III gesetzt. Wichtig ist die Aufklärung, dass es für WKA in WSG III einer Einzelfallprüfung bedarf. Im Rahmen des BimSch-Verfahrens wird seitens des Regierungspräsidium Darmstadt und der zuständigen Behörden für jeden einzelnen Standort genau geprüft, ob Windräder für Mensch und Umwelt gefahrlos gebaut und betrieben werden können. Dem Grundwasserschutz kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
fr-online: Wiesbaden-  Gefährdet Windkraft Grundwasser?

In einer Stellungnahme der ESWE vom 13.11.2014 wird, mit Bezug auf Fachexpertise von HessenWasser, auf das Thema "Wasserschutzgebiete auf dem Taunuskamm" detailliert eingegangen:

Stadt Wiesbaden: Stellungnahme ESWE -  Wasserschutzgebiet im Neufestsetzungsverfahren


April 2015:
Taunuswind reicht die Genehmigungsunterlagen nach BimSchG inklusive einem hydrologischen Gutachten beim RP Darmstadt ein.

Taunuswind: Genehmigungsantrag eingereicht

Laut Hessischem Umweltministerium  seien Rodungsflächen für Windkraftanlagen im Wald vergleichsweise gering, weshalb eine nachhaltige Gefährdung des Grundwassers durch Nitrat „als gering eingestuft“ werde.

WK: Warnung vor Zeitbombe


Juni 2015:

Schaut man sich die Gefährdung von Grund- und letztlich damit auch Trinkwasser durch Nitrateinträge genauer an, so sieht man, dass die industrielle Landwirtschaft, Verkehr, Industrie und private Haushalte die wesentlichen Verursacher sind. Windkraftanlagen sind Teil der Lösung um langfristig eine geringere Nitratbelastung des Grundwassers wieder zu erreichen. Gleichwohl ist bei Bodenbewegungen und Rodungen für Windkraft im Wald eine Einzelfallprüfung erforderlich. Bei der konkreten Situation am Taunuskamm zeigen bereits die veröffentlichten Daten, dass Risiken wohl kaum zu erwarten sind.

Windkraft im Wald und Nitrat im Trinkwasser

Grundlagen: Wasserschutzgebiete

Zone I (Fassungsbereich): Im Bereich um die Wassergewinnungsanlage (bis ca. 50 m) und in ihrer unmittelbaren Umgebung muss jegliche Verunreinigung unterbleiben. Eine Flächennutzung, gleich welcher Art, ist daher nicht zugelassen.

 

Zone II (engere Schutzzone): Diese Zone wird in der Regel so abgegrenzt, dass die Fließzeit des Grundwassers vom äußersten Rand der Schutzzone bis zur Fassung mind. 50 Tage beträgt. In dieser Zeit können bakteriologische Verunreinigungen abgebaut werden. Diese Zone wird auch biologische Schutzzone genannt.

 

Zone III (weitere Schutzzone): Sie wird in der Regel bis zur Grenze des Einzugsgebietes der Fassung ausgedehnt und erfasst damit das gesamte der Fassung zufließende Grundwasser[2]. Diese Zone wird auch "chemische Schutzzone" genannt. Eine weitere Unterscheidung nach III A und III B hängt mit der Fließzeit des Grundwassers vom äußeren Rand der Schutzzone bis zur Fassung zusammen. Die Schutzzone soll vor langfristigen Verunreinigungen oder schwer abbaubaren Verschmutzungen, besonders vor radioaktiven und chemischen, schützen. 

Ergänzende Betrachtung (Grundlagen)

Nennenswerte Auswirkungen auf das Grundwasser sind vom Bau einer WEA und deren Infrastruktur bei einer Meidung von Quellbereichen oder sonstigen besonders wertvollen Gewässerstrukturen nicht zu erwarten, da die versiegelte Fläche des Fundamentes gering ist und die Zuwegungen üblicherweise aus offenporigem Material aufgebaut werden, so dass die Grundwasserspende nicht reduziert wird. Eine Gefahr der Grundwasser-Verschmutzung geht vom Betrieb der WEA nicht aus. Selbst bei einem Unfall, bei dem die Gefahr bestehen könnte, dass Stoffe austreten könnten, werden diese in einer Auffangwanne in der WEA selbst gesammelt, so dass kein Stoffe nach außen und damit in den Boden oder das Grundwasser gelangen können[3].

 

Laut AboWind ist bei WEA ein sehr geringes Risiko für das Grundwasser im Vergleich zu anderen Bauwerken gegeben, da[1]:

  • keine grundwassergefährdenden Baustoffe eingesetzt werden
  • ein Austritt von Betriebsstoffen nach dem Stand der Technik (konstruktiv) wirksam verhindert werden kann
  • kein Anschluss an Medienleitungen (Wasser, Abwasser, Gas etc.) erforderlich ist
  • im Lebenszyklus keine baulichen Veränderungen vorgesehen sind
  • mittels Fernüberwachung technische Veränderungen erkannt und frühzeitig beobachtet / behoben werden können
  • regelmäßige Wartungs- und Kontrollmaßnahmen eine frühzeitige Reaktion auch auf einen geringfügigen Austritt von Betriebsstoffen in Auffangbehälter ermöglichen
  • automatische Löscheinrichtungen mit Auffangen der Löschmedien (z.B. im Turm-Fuß) auch eine Grundwassergefährdung im Brandfall wirksam unterbinden

Foto Wasserschutzgebiet: © Manfred Schimmel / pixelio.de

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