Kohlekraftwerke machen krank

Bild: Braunkohlekraftwerk Neurath
Braunkohlekraftwerk Neurath

Etwa 3.100 vorzeitige Todesfälle gehen jährlich auf das Konto deutscher Kohlekraftwerke. Dies zeigt eine Studie der Universität Stuttgart im Auftrag von Greenpeace[1].

 

Die nähere Betrachtung auf dieser Seite umfasst:

 

Keine Form der Stromerzeugung belastet unser Klima mehr als die Verbrennung von Kohle. Von den derzeit existierenden 250 Großkraftwerken in Deutschland werden die meisten mit Kohle befeuert: 

  • fast die Hälfte der CO₂-Emissionen in Deutschland stammt aus der Energiewirtschaft[2]
  • jährlich stoßen deutsche Kohlekraftwerke ca. 340 Mio. Tonnen CO₂ aus und verschärfen damit den Klimawandel[2][9]
  • in 2012 stiegen CO₂-Emissionen aus Braun- und Steinkohlekraftwerke in Deutschland um 14,1 Mio Tonnen, für Deutschland bedeutet dies insgesamt eine Zunahme der CO₂-Emissionen um 2%[8][9]
  • die derzeit neu geplanten Kohleblöcke würden jährlich bis zu 150 Millionen Tonnen CO₂ ausstoßen (mehr als der gesamte deutsche Verkehrssektor)[3]

Gesundheit

Gesundheitliche Auswirkungen

Grafik: Auswirkungen der Emissionen von Kohlekraftwerken auf den menschlichen Körper
© 2013 Greenpeace

Kohlekraftwerke gehören zu den schlimmsten Quellen von giftigen Luftschadstoffen. Schwefeldioxid, Stickoxide, Ruß und Staubemissionen aus Kohle sind die größten industriellen Ursachen von Feinstäuben, die tief in die Lungen eindringen und vom Blutkreislauf aufgenommen werden. Dies kann Herzinfarkt, Lungenkrebs, Asthma und andere Kompliaktionen verursachen. Kohlekraftwerke stoßen zudem giftige Metalle wie Quecksilber, Blei, Arsen und Cadmium aus. Dadurch erhöhen sie das Krebsrisiko und führen zu Entwicklungsstörungen bei Kindern[1]. Die Abbildung zeigt den Zusammenhang von Feinstaub, Ozon und toxische Metalle im menschlichen Körper mehr im Detail. Die vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart erstellte Studie untersucht die gesundheitlichen Auswirkungen der 67 größten Braun- und Steinkohlekraftwerke, die 2010 in Betrieb waren. Die Studie berechnet durch eine Modellierung der Schadstoffverbreitung in der Atmosphäre. Stand 2010 führten demnach die Emissionen deutscher Kohlekraftwerke jedes Jahr[1]:

  • zum vorzeitigen Tod von ungefähr 3.100 Menschen
  • was einem Verlust von insgesamt 33.000 Lebensjahren entspricht
  • hinzu kommen ca. 700.000 verlorene Arbeitstage aufgrund von Krankheiten

Kraftwerke

Weitere Kohlekraftwerken in Deutschland ?

Grafik: selbst die "sauberste" Kohle ist zu dreckig
© 2013 Greenpeace

Derzeit sind ungefähr 140 Stein- und Braunkohlekraftwerke in Deutschland in Betrieb und erzeugen 45% des gesamten Strombedarfs. Auf der Seite Wirtschaftlichkeit Energieträger wird die Kohleverstromung als die am höchsten subentionierte Energieform Deutschlands erkennbar (siehe auch FÖS-Studie[7]). Aufgrund der Gesundheitsrisiken und für den Klimaschutz ist es mehr als naheliegend, dass Deutschland aus der Kohleverbrennung aussteigt und auf Erneuerbare Energien, ergänzt durch flexible Gaskraftwerke, umstellt.

Stattdessen ist die Verfeuerung von Kohle in Deutschland von 2009 bis 2012 Jahr um Jahr gestiegen. Zudem sind in Deutschland 17 neue Kohlekraftwerke in Bau oder Planung, mit verheerenden Folgen für Gesundheit und Klima[1][3].

 

Prof. Claudia Kemfert (renommierte Wissenschaftlerin / sie war 2012 für NRW seitens der CDU als Energieministerin nominiert) enttarnt in ihrem Buch "Kampf um Strom (S. 33-38)" die Strategie der großen Energiekonzerne[4]:

  • durch massive Lobbyarbeit
    • Energiewende verzögern
    • nachhaltige Klimapolitik verzögern (CO₂ Preise niedrig halten)
  • schnell Kohlekraftwerken bauen und dadurch den Markt besetzen
  • Geschäft über Jahrzehnte hinaus zementieren
    (Kohlekraftwerke haben eine Laufzeit von 40 - 50 Jahren)

 

Konsequenzen dieses Handelns:

In Deutschland nahm zwischen 2010 und 2012 die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle um 5% zu. Laut Studie von Greenpeace und Uni Stuttgart führte dies zu einer Zunahme von ungefähr[1]:

  • 155 jährlichen Todesfällen
    (entspricht rund 1650 verlorenen Lebensjahren)

 

Wenn alle 15 in Bau oder Planung befindlichen Kohle-Neubauprojekte (inklusive der 2012 ans Netz gegangenen Blöcke in Neurath und Boxberg) tatsächlich in Betrieb genommen werden, wäre die Folge eine weitere Zunahme um ungefähr[1]:

  • 1.100 jährlichen Todesfällen
    entspricht rund 12.000 verlorenen Lebensjahren
  • 250.000 verlorene Arbeitstage

Gebiete

Betroffene Gebiete in ganz Europa

Karte: Todesfälle durch Kohlekraftwerke
© 2013 Greenpeace

Die Feinstaubkonzentration ist nicht unmittelbar an den Kohlekraftwerken am höchsten. Hohe Schornsteine führen dazu, dass Schadstoffe erst nach einem Kilometer überhaupt den Boden erreichen. Die sekundären Schadstoffe sind die schädlichsten. Diese bilden sich erst in der Luft und es dauert einige Zeit, bis die chemische Umwandlung stattgefunden hat. Während dieser Zeit sind sie dann ggf. schon hundert bis zweihundert Kilometer weit weg geweht. Schadstoffe machen nicht vor Landesgrenzen halt[1]. An der Karte ist zu erkennen:  

  • es geht nichts an dem Dreck, der in die Luft entsorgt wird verloren
  • die krankmachenden Schadstoffe kommen in Europa wieder herunter

Zur Orientierung haben wir Niedernhausen auf der Karte von Greenpeace eingezeichnet.

 

EU: eine Studie von HEAL, ein europaweiter Verbund von etwa 70 Umwelt- und Gesundheits-NGOs aus 26 Ländern, hat die Auswirkungen von Kohlekraftwerken in der EU untersucht. Emissionen von Kohlekraftwerke in der gesamten EU verursachen jedes Jahr[5]:

  •  mehr als 18.000 vorzeitigen Todesfällen
  • ausgefallene Arbeitszeit von etwa 4 Millionen Arbeitstagen
  • Kosten für medizinische Behandlung
  • insgesamt einen Schaden von ca. 15 und 43 Milliarden Euro

Diese Belastungen sind in der Karte von Greenpeace und Uni Stuttgart nicht enthalten, d.h. für Deutschland kommt eine weitere deutliche Belastung durch Luftschadstoffe aus unseren Nachbarländern hinzu.

Niedernhausen

Niedernhausen - sind wir auch betroffen?

Luftbild: 150 km von Niedernhausen entfernt liegt Niederaußem mit Braunkohlekraftwerk

Als Anregung, um über die Frage nachzudenken, inwieweit Niedernhausen konkret betroffen sein könnte, sollen hier beispielhaft einige Informationen zu einem Kraftwerk betrachtet werden:

Laut Studie von Greenpeace und Uni Stuttgart ist das Braunkohlekraftwerk Niederaußem das zweit-dreckigste Kraftwerk Deutschlands. Es liegt Luftlinie ca. 150km von Niedernhausen entfernt. Diese Entfernung gibt dem chemischen Umwandlungsprozess in der Luft die Zeit, um die gefährlichsten Schadstoffe zu bilden[1].

 

Laut Tabelle von Greenpeace ist alleine dieses Kraftwerk Verursacher von jährlich in etwa[1]:

  • 270 vorzeitige Todesfälle
  • 2.900 verlorene Lebensjahre
  • 61.000 verlorene Arbeitstage

 

Fazit: auch Niedernhausen ist betroffen.

 

Zwar "verteilen" sich je nach Wetter- und Windverhältnissen die Schadstoffe. Wie das Bild "Todesfälle durch Kohlekraftwerke" zeigt gibt es in Niedernhausen ebenfalls ein hohe Belastung. Wie das Bild "Auswirkungen der Emissionen von Kohlekraftwerken auf den menschlichen Körper" zeigt, haben u.a. Schwefeldioxid, Stickoxide, Staub und Ruß, die aus dem Ruhrgebiet zu uns ziehen, ausreichend Zeit die mikroskopische Partikel zu bilden, die die schwerwiegendsten gesundheitlichen Folgen haben.


Foto: © Rolf van Melis / pixelio.de

Grafiken: Greenpeace 2013

Luftbild Niederaußem: erstellt mit Goggle earth / Image © 2012 GeoBasis DE/BKG