Klimawandel und Landwirtschaft

Laut Weltklimarat (IPCC) sind 31% aller Klimagasemissionen direkt der Landwirtschaft zuzuschreiben. Hinzu kommen Anteile aus anderen Sektoren für Agrar- und Lebensmittel- produktion und Verbrauch.
Laut Weltklimarat (IPCC) sind 31% aller Klimagasemissionen direkt der Landwirtschaft zuzuschreiben. Hinzu kommen Anteile aus anderen Sektoren für Agrar- und Lebensmittel- produktion und Verbrauch.

Weil Pflanzen das Klimagas CO₂ binden und Böden Kohlenstoff speichern, könnte die Landwirtschaft mehr CO₂ binden als ausstoßen und so maßgeblich zum Klima- schutz beitragen[3].

Die heutige industrielle Landwirtschaft gehört aber zu den größten Klima- sündern der Welt. Fast 40% aller durch Menschen verursachten Klimagas- emissionen entstehen durch Landwirtschaft und Landnutzung sowie durch Produktion, Verarbeitung, Transport, Verteilung, Kühlung, Zubereitung und Entsorgung von Lebensmitteln und anderen Agrarprodukten. Für die schlechte Treibhausgas-Bilanz der heutigen Landwirtschaft sorgen vor allem[1][2][3]

  • Rodung und Degradierung von Wäldern
  • Freisetzung von Kohlenstoff aus Ackerböden
  • Methanemissionen aus der "Tierproduktion"
  • Lachgasemissionen aufgrund intensiver Anwendung stickstoffhaltiger Dünger

mehr: Fakten und Zahlen

Weltagrarbericht

Download: Broschüre zum Weltagrarbericht
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Über 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten 2008 im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank den Stand des Wissens über die globale Landwirtschaft, ihre Geschichte und Zukunft im Weltagrarbericht zusammen. Der Bericht ruft dazu auf, die Landwirtschaft grundsätzlich anders zu gestalten, damit der Preisanstieg für Lebensmittel beendet wird und Hunger und negative Umweltfolgen minimiert werden. Die heute übliche industrielle Landwirtschaft braucht hohen Einsatz von Energie, Dünger und Pestiziden und ist, dem Bericht zufolge, nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr sind kleinbäuerliche und ökologische Anbaumethoden nötig[4][5].

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des 2000 Seiten starken Werkes finden Sie in der Broschüre "Wege aus der Hungerkrise" und auf der Internetseite www.weltagrarbericht.de. Dort sind auch alle Original-Berichte, Hintergründe und weitere Detailinformationen zu finden.

Klima: Der 10 Minuten Trailer zum Dokumentarfilm „Humus Die vergessene Klimachance" zeigt, wie ein radikal neuen Ansatz zur Rettung des Weltklimas beitragen kann.

Wende in der Landwirtschaft: Einen Überblick zu Inhalten und Erkenntnissen des Weltagrarberichts gibt der 45 Minuten Vortrag von Benedikt Haerlin - gehalten am 12. April 2011 auf Einladung von Bio Austria, Multikraft und SPES Zukunftsakademie.


Landwirtschaft und Klimaschutz

Landwirtschaft und Klimaschutz

Für das Jahrhundertziel, die Erd- erwärmung durch massive Reduktion von Treibhausgasemissionen auf etwa 2°C zu begrenzen, ist der Beitrag der Landwirtschaft entscheidend. Die Klima-Bilanz unterschiedlicher Anbaumethoden und Ernährungssysteme klafft weit auseinander. In der Regel sind arbeitsintensivere und kleinteilige Strukturen klimafreundlicher als industrielle Monokulturen; ebenso der lokale und direkte Verbrauch im Vergleich zu aufwändigen Verarbeitungsketten und Vertriebswegen. Empfehlungen[3]

  • klimaschonenden Bodenbewirtschaftung (Ackerland nicht brach liegen lassen, systematischer Aufbau des Humusgehaltes der Böden, Gründünger anstatt Kunstdünger, biologische Schädlingsbekämpfung anstatt Pestizide)
  • weitere Abholzung vermeiden, Wiederaufforstung, Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Produktion
  • Einsatz von fossilen Brenn- und Treibstoffen drastisch reduzieren

Die Maßnahmen sollten immer den jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst sein. Zudem ist die Kalorien-Effizienz zu  steigern, d.h. Verschwendung und Verluste zwischen Ernte und tatsächlichem Verbrauch sind zu reduzieren (Stichworte: dem Wegwerfen von Nahrungsmittel, Ernteverluste, übermäßigem Fleischkonsum ist engegenzuwirken)[3].

 

Die Landnutzung bestimmt die Kohlenstoff-Speicherfähigkeit von Boden und Vegetation. "Die Kohlenstoffspeicherung in Böden kann global 5 bis 15% der jährlichen fossilen CO₂-Emissionen ausgleichen", schätzt der Weltagrarbericht.[3]

Klimaschutzpotenziale des Boden-Pflanze-Tier-Komplexes

Demeter Kühe

Im Bereich Energie und Transport sind heute CO₂-Vermeidung und CO₂-Einsparung zentrale Klima- schutzthemen. Wer diese Sicht auf das Zusammenspiel von Atmosphäre mit Wald sowie Atmosphäre mit Böden einfach nur überträgt, kommt ggf. zu falschen Ergebnissen. Im Zusammenspiel von Boden-Pflanze-Tier mit der Atmosphäre gibt es weitere, wichtige Gesetzmäßigkeiten, die nicht übersehen werden dürfen.

 

In ihrem Buch "Die Kuh ist kein Klima-Killer!" geht Dr. Anita Idel praxisnah auf dieses Zusammenspiel ein und arbeitet den Unterschied von industrieller Landwirtschaft versus nachhaltiger Landwirtschaft am Beispiel von Weidetieren heraus[6]. Sie weist damit auf das große Potential der Böden für den Klimaschutz hin, das bisher bei Politikern und in der Öffentlichkeit kaum Beachtung gefunden hat. Und sie zeigt, dass Weidetiere wie Kühe Klimaschützer und keine Klima-Killer sind - wenn denn der Mensch in der richtigen Weise mit ihnen umgeht.

 

Industrielle Landwirtschaft:

In der heute üblichen Landwirtschaft wird angestrebt Milch- und Fleischleistung zu steigern und dabei Kosteneinsparungen zu erzielen.

  • Um die (auf Produktmengen reduzierte) Leistung von Kühen zu steigern muss das Tierfutter immer intensiver, d.h. energie- und proteinreicher werden.
  • Zwei Drittel der in der EU verfütterten Proteine stammen aus Schwellen- und Entwicklungsländern, wo tropischer Wald und Steppen den Sojafeldern zum Opfer fallen. Denn diese Form der Landwirtschaft braucht Ackerfläche um Getreide, Mais und Soja für Tierfutter anzubauen und setzt Treibhausgase durch Waldrodung, Umbruch des Graslandes und für den Transport von Tierfutter frei.
  • Die industrielle Landwirtschaft setzt massiv synthetischen Stickstoff-Dünger für die großen Monokulturen zur Produktion von Kraftfutter ein. Das verbraucht Energie; vor allem aber wird bei der Düngung Lachgas freigesetzt - Lachgas ist 300-mal klimaschädlicher als CO₂.
  • "Hochleistungskühe" können es schaffen innerhalb eines Jahres mehr als 10.000 Liter Milch zu produzieren.
  • Kühe "rülpsen Methan" - Methan ist 25-mal klimaschädlicher als CO₂.
  • Die Lebensdauer dieser auf Leistung getrimmten Kühe nimmt ab. In Deutschland im Mittel auf unter 5 Jahren, wodurch von diesen Kühen statistisch nur noch etwa 2,3 Kälber geboren werden.
  • Je kürzer die Lebensdauer, desto größer die Zeit in der eine Kuh und ihre Ersatzkuh parallel Futter verbrauchen und Emissionen verursachen, da Kühe erst nach dem ersten Kalb mit ca 28 Monaten Milch produzieren.

 

Nachhaltige Landwirtschaft, nachhaltige Beweidung:

Rinder und ihre wiederkäuenden Verwandten brauchen kein Kraftfutter und sind keine Nahrungskonkurrenten für den Menschen. Sie können sich nach ihrer Natur von Gras und Heu ernähren, welches durch Wiederkäuen und in ihren drei Vormägen aufbereitet wird, ehe es letztlich im Labmagen landet.

  • Die Milchleistung bei Kühen liegt im ökologischen Landbau etwa 30% niedriger als bei "konventionellen".
  • Dafür leben diese Kühe länger, bekommen deshalb im Durchschnitt mehr Kälber als konventionelle Kühe und benötigen nicht so früh eine Ersatzkuh.
  • Grünland bedeckt 40% der weltweiten Landfläche. Mehr als genug Futter für Kühe, Rinder, Schafe und viele weitere Weidetiere.
  • Jede Beweidung regt die Pflanzen an zu wachsen. Eine nachhaltige Beweidung, d.h. ein mit der Natur abgestimmtes Weidemanagement, erfordert den richtigen Zeitraum bis zum nächsten Weidezyklus einzuhalten. So vermeidet man sowohl Über- als auch Unterbeweidung und regt die Pflanzen zu optimalem Wachstum an.
  • Optimales Pflanzenwachstum fördert insbesondere den Aufbau an Wurzelmasse. Die Wurzeln von heute sind quasi der Humus von morgen und enthalten zu über 50 Prozent Kohlenstoff (C).
  • Deshalb verringern wir mit jedem Gramm Humus, mit dem wir die Fruchtbarkeit im Boden erhöhen, gleichzeitig die CO₂ Konzentration in der Atmosphäre. Konkret: Jede zusätzliche Tonne Humus im Boden entzieht der Atmosphäre ca 1,8 Tonnen CO₂.

 

Fazit: die richtige Art von Landwirtschaft

  • geht in naturnaher Weise mit den Weidetieren um
  • gibt den Wiederkäuern das Futter, das sie von Natur aus brauchen
  • nutzt Weidetiere als Landschaftsgärtner für Bodenfruchtbarkeit und biologische Vielfalt und zur Entlastung des Klima

ZDF

Mehr Fakten und Zahlen

Hier eine kleine Auswahl an weiteren Fakten und Zahlen zur Einschätzung der Bedeutung der Landwirtschaft für das Klima.

 

aus: www.weltagrarbericht.de/.../klima-und-energie

  • "Die Landwirtschaft ist direkt verantwortlich für den Ausstoß von 5.100 bis 6.100 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr und trägt eine überproportionale Menge Lachgas und Methan bei. Landwirtschaftliche Aktivitäten verursachen etwa 47% aller vom Menschen verursachten Methan-Emissionen und 58% aller Lachgas-Emissionen."
    (Quelle OECD)
  • "2010 war die deutsche Landwirtschaft für die Emission von rund 67,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente verantwortlich - 7,2% aller Treibhausgasemissionen. Sie ist damit nach dem Energiebereich (83,5%) und der Industrie (7,8%) der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen."
    (Quelle Umweltbundesamt)

aus:Anita Idel: Die Kuh ist keine Klima-Killer[6]

Bild (Blumenwiese): © Rainer Sturm / pixelio.de

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