Infraschall - neue Messergebnisse

Neue Messergebnisse zu Infraschall bei Windkraftanlagen und anderen Quellen

Diskussion um Infraschall - ein Hase und Igel Spiel?

In der Debatte um Infraschall bei Windenergieanlagen kann man zuweilen den Eindruck gewinnen, es verhalte sich so wie mit dem Hase und Igel Spiel. Geht es mit wissenschaftlich fundierten Studien voran, so muss man nicht lange auf eine öffentlichkeitswirksame Reportage warten, die - sicher journalistisch einwandfrei - einfach unbewertet Aussagen nebeneinander stellt. Schon fühlen sich Zweifler ermutigt und viele davon ignorieren getrost Fortschritte aus fundierten Studien ohne selbstständig tiefer darüber nachzudenken (Beispiel: Deutschlandfunk: Nicht hörbar, aber gefährlich?). Im vorliegenden Beispiel hätte es dem Deutschlandfunk gut zu Gesicht gestanden, auf den fundierten Hintergrund zur Aussage des Umweltbundesamtes "... man kann guten Gewissens sagen, dass von Infraschall von Windenergieanlagen keine Gesundheitsgefährdung ausgeht" hinzuweisen (vgl. Infraschall, Metastudien des Deutschen Naturschutzring/2012 und des Umweltbundesamts/2014). Um die Aussagekraft der andere Seite transparent zu machen, wäre ein Interview mit kritischen Fragen an die Menschen interessant, die ihre Krankheitsgeschichte auf Infraschall aus Windkraftanlagen zurückführen:

  • welche Fakten stützen diese Aussage?
  • wodurch ist nachgewiesen, dass die genannten Symptome nicht auf andere Ursachen zurückzuführen sind?

 

Wie auch immer. Wer sich mit wissenschaftlicher Arbeit z. Bsp. in Medizin oder Ernährungswissenschaft auseinandersetzt, dem ist bekannt, wie schwierig es ist belastbare Aussagen aus Befragungen von Probanden zu erhalten (statistisch relevante Größe der Gruppen, Vergleichsgruppen, etc.). Und so könnte sich diese Debatte wohl noch ewig im Kreis drehen, solange subjektive Aussagen weniger Menschen auf einer Ebene mit dem Stand der Wissenschaft dargestellt wird.

 

Objektive Messungen, Vergleich verschiedener Infraschallquellen

Einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Infraschall-Debatte leistet die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW). Das LUBW hat von 2013 bis 2015 Messungen verschiedener Infraschallquellen durchführen lassen. Gemessen wurden tieffrequente Geräusche inklusive Infraschall in der Umgebung von

  • modernen Windkraftanlagen
  • Straßenverkehr
  • Geräte im Haushalt
  • Windgeräusche in freier Natur.

Anschaulich und für Laien unmittelbar verständlich sind die drei Grafiken auf Seite 11 und 12 der Studie des LUBW. Infraschall durch Waschmaschinen oder Ölheizungen ist demnach stärker, als der eines Windrads (300m Abstand zum Windrad). Infraschall in einem Auto mit geschlossenen Fenstern oder durch Straßenverkehr ist nochmals deutlich stärker. Alleine die Windgeräusche auf freiem Feld (Windgeschwindigkeit von 8-10m/s) entsprechen etwa dem Infraschall durch Windräder (300m Entfernung Abstand zum Windrad).

 

Ein weiteres Ergebnis der LUBW Studie "In 700 m Abstand von den Windenergieanlagen war bei den Messungen zu beobachten, dass sich beim Einschalten der Anlage der gemessene Infraschallpegel nicht mehr nennenswert oder nur in geringem Umfang erhöht. Der Infraschall wurde im Wesentlichen vom Wind erzeugt und nicht von den Anlagen."[1]

 

In Hessen gilt ein Mindestabstand von 1000m zur Wohnbebauung.

 

Das Fazit des LUBW gilt also ebenso für Hessen:

  • "Infraschall wird von einer großen Zahl unterschiedlicher natürlicher und technischer Quellen hervorgerufen. Er ist alltäglicher und überall anzutreffender Bestandteil unserer Umwelt."[1]
  • Windkraftanlagen leisten hierzu keinen wesentlichen Beitrag. Die von ihnen erzeugten Infraschallpegel liegen deutlich unterhalb der Wahrnehmungsgrenzen des Menschen."[1]
  • "Es gibt keine wissenschaftlich abgesicherten Belege für nachteilige Wirkungen in diesem Pegelbereich. Auch für den Frequenzbereich des Hörschalls zeigen die Messergebnisse keine akustischen Auffälligkeiten."[1]
  • "Windkraftanlagen können daher wie andere Anlagen nach den Vorgaben der TA Lärm beurteilt werden. Bei Einhaltung der rechtlichen und fachtechnischen Vorgaben für die Planung und Genehmigung sind keine schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche von Windkraftanlagen zu erwarten."[1]

 

[1] LUBW: Tieffrequente Geräusche inkl. Infraschall von Windkraftanlagen und anderen Quellen

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