Aufrüttelnde Meldungen von WMO und Weltbank zu Klimawandel

CO2 Konzentration steigt auf Rekordwert, 100 Millionen mehr Arme bis 2030 durch Klimawandel, Politiker warnen vor neuen Flüchtlingsstrom

UN-Organisationen (WMO, Unep) und weitere Expertengremien fordern von der Pariser Klimakonferenz entschlossene Aktionen zur Reduzierung der CO2-Emissionen. Sonst werde der Klimawandel die Erde "gefährlich und nicht mehr bewohnbar für künftige Generationen machen", schreibt die WMO.

 

Die Konzentration gefährlicher Treibhausgase in der Erdatmosphäre hat einen neuen Höchststand erreicht, berichtete die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am Montag in Genf. Hauptgrund sei der anhaltend starke Ausstoß von Kohlendioxid (CO2), welcher hauptsächlich bei dem Verbrauch fossiler Brennstoffe wie Kohle, Gas und Öl freigesetzt wird. Die WMO verweist auf Messwerte der US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). Danach hat die weltweite Konzentration von CO2 im Frühjahr 2015 den Durchschnittswert von 400 ppm (parts per million, Teilchen pro Million) überschritten. Dieser Wert gilt unter Forschern als "bedeutender Meilenstein" auf dem Weg zu einer gefährlichen Klimaveränderung. Die CO2-Konzentration ist seit dem vorindustriellen Zeitalter um mehr als 120 ppm angestiegen, wobei alleine seit 1980 die Hälfte dazugekommen ist.

 

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Fast gleichzeitig veröffentlichte die Weltbank eine neue Studie zur Folgen des Klimawandel: häufigere Wetterextreme, Dürren, steigender Meeresspiegel. Der Klimawandel kann nach Einschätzung der Weltbank in den nächsten 15 Jahren die Zahl der Armen weltweit um weitere 100 Millionen erhöhen. Vor allem Menschen in den ohnehin schon ärmsten Regionen - das Afrika südlich der Sahara und Südasien - werden leiden, wie es in dem von der Weltbank vorgelegten Bericht heißt. Der Klimawandel trifft sie bereits jetzt: Die für Landwirtschaft nutzbare Fläche verringert sich durch Dürre, Fluten spülen Behausungen und damit ganze Existenzen weg. Da laut Weltbank die Klimapolitik bis zum Jahre 2030 die Klimaerwärmung jetzt nur noch geringfügig verringern könnte, müssten zugleich Maßnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen abzumildern. Die Studie empfiehlt bessere soziale Sicherheitsnetze, bessere Gesundheitsfürsorge, Hochwasserschutz, Frühwarnsystemen und widerstandsfähiges Getreide.

 

Politiker warnen nun vor einer durch den Klimawandel ausgelösten Flüchtlingswelle. "Klar ist, dass es riesige Dürregebiete und überflutete Landstriche geben wird, wenn wir den Klimawandel nicht auf ein beherrschbares Maß begrenzen", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dem "Focus". "Ohnehin fragile Staaten werden dann weiter destabilisiert. Dies wiederum wird Millionen Menschen in die Flucht treiben, und sie werden auch zu uns kommen", sagte Hendricks. Hendricks fordert eine Anerkennung von Klimaflüchtlingen. „Es wäre Aufgabe der Vereinten Nationen, dafür eine Kategorie zu schaffen“, sagte sie. „Derzeit ist es leider so, dass jemand, der aus Klimagründen zu uns kommt, von vielen als sogenannter Wirtschaftsflüchtling denunziert wird. Dabei hat er seine Lebensgrundlage verloren.“

 

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