Braunkohle als "Klimareserve"

8 Braunkohlekraftwerke vor ihrer Stilllegung 4 Jahre als Reservekraftwerke zu nutzen - was bringt Gabriel´s "Gürtel zum Hosenträger"?

Zusammenfassung

© Rolf van Melis - pixelio.de
© Rolf van Melis - pixelio.de

Gabriel´s "Gürtel zum Hosenträger", acht Braunkohlekraftwerke für vier Jahre als Reservekraftwerke zu finanzieren, kostet die Strom-verbraucher mehr als 1,6 Mrd. €, ist für die Versorgungssicherheit sinnlos, spart nur ca. 12 Mio t CO2 obwohl eine Einsparung von 22 Mio t CO2 notwendig ist und wird rechtlich angefochten.


Das Einknicken von Sigmar Gabriel zahlt sich nicht aus!


Rückblick

Um die Klimaschutzziele Deutschlands zu erreichen, hatte Sigmar Gabriel den richtigen Weg eingeschlagen: die Kohle- bzw. Klimaabgabe. Die dreckige und viel zu billige Kohleverstromung sollte damit verteuert und in der Folge die Abschaltung von Braunkohlekraftwerken erreicht werden.

mehr: fr-online: Ran an die Kohle

 

Doch daraus wurde nichts. Eine unheilige Allianz aus Stromkonzernen, Gewerkschaften, CDU, CSU und den Braunkohleländern Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen (einschließlich CDU und SPD Ministerpräsidenten und Minister der Braunkohleländer)   fielen Gabriel in den Rücken. Gewichtig war das in solchen Fällen sehr beliebte und benutzte Argument von drohendem "Arbeitsplatzverlust".

 

Gabriel knickte ein und machte aus einer Klimaabgabe für Stromkonzerne ein Milliardengeschenk für Stromkonzerne. Die neue Idee: alte Braunkohlekraftwerke sollen als Kapazitätsreserve am Strommarkt übergangsweise für die Möglichkeit bereitgehalten werden, dass mal nicht genug Strom zur Verfügung steht. Dabei gab Gabriel gleichzeitig zu Protokoll, dass man angesichts des ebenfalls beschlossenen ganz neuen Strommarkts "eine Kapazitätsreserve nicht brauche. Sie ist ein bisschen so was wie ein Gürtel zum Hosenträger."

mehr: n-tv: Gürtel zum Hosenträger

Konkret sollen insgesamt 2700 Megawatt, d.h. etwa 13% der gesamgten installierten Braunkohleleistung, stillgelegt werden.

mehr: fr-online: Teures Konzept für die Kohlemeiler

 

Status zum 4.11.2015 (Beschluss Bundesregierung)

Gabriels "Gürtel zum Hosenträger" (die sogenannte "Klimareserve") wurde nun am 4.11.2015 von der Bundesregierung beschlossen. Nach dem "Umschalten" in den Reservemodus im Herbst 2016 sollen 8 Braunkohlekraftwerke 2020 endgültig stillgelegt werden.

  • Kosten: mehr als 1,6 Mrd. €
    Die Mehrkosten, die die Stromverbraucher zu tragen haben, belaufen sich laut BMWi auf 1,61 Milliarden €uro.
  • Ca. 12 Mio. t CO2 Einsparung:
    11 bis 12,5 Mio. Tonnen CO2 solle damit eingespart werden, wobei Umweltschützer Zweifel angemeldet haben, dass mit den ausgewählten 8 Kraftwerken solch ein langfristiger Effekt zu schaffen sei. Zur Erinnerung: es ist eine Lücke von 22 Mio. Tonnen CO2-Ausstoß zu schließen. Um die Klimaschutzziele Deutschlands zu erreichen soll nun, anstatt den Hauptverursacher, die Kohleverstromung, in die Pflicht zu nehmen, der Rest durch stärkeren Einsatz von Kraft-Wärme-Koppelung, Optimierung von Heizungen und LED-Straßenlaternen erreicht werden.
  • Braunkohle für Reservekraftwerke ist unsinnig:
    Laut Aussage von Experten der Bundesnetzagentur sind Braunkohlekraftwerke wegen ihrer Trägheit als Reserve völlig ungeeignet. Der Bedarf entsteht manchmal innerhalb weniger Stunden. Die Verträge mit RWE, Vattenfall und Mibrag sehen aber eine Vorwarnzeit von zehn Tagen vor.
  • Rechtlich bedenklich, Klagen sind angekündigt:
    Bereits der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte im Juli 2015 rechtliche Bedenken vorgelegt. Der Stadtwerkeverbund Trianel (vertritt 100 Stadtwerke) hat eine Klage angekündigt und will bis zur europäischen Gerichtsbarkeit gehen um gegen die Wettbewerbsverzerrungen dieses Gesetzes zu klagen. Die EU hat ohnehin bereits angekündigt das Thema zu überprüfen.

mehr: tagesschau.de: Stilllegung von Braunkohlekraftwerken Was bringt die "Klimareserve"?