Windkraft im Wald und Nitrat im Trinkwasser

Kann der Bau von Windkraftanlagen zu einer höheren Nitratbelastung im Trinkwasser führen?

© Steffen Recke / pixelio.de
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Ursache von erhöhten Nitratwerten im Grundwasser und in der Folge auch im Trinkwasser sind in Deutschland hauptsächlich

  • die industrielle Landwirtschaft
  • Industrie, Verkehr und private Haushalte.

mehr: Nitrat im Trinkwasser

 

Windkraftanlagen verursachen keine Stickstoff- bzw. Nitrateinträge in das Grundwasser. Sie sind wichtiger Teil der Lösung um eine dekarbonisierte Wirtschaft zu erreichen und damit die Emissionen aus dem Energiesektor, Verkehr, privaten Haushalten und der Landwirtschaft zu reduzieren und tragen damit zu einer nachhaltig besseren Wasserqualität bei.

 

Windkraft in Waldgebieten erfordert aber auch, entsprechend den lokalen Gegebenheiten, Rodungsmaßnahmen.

mehr: Platzbedarf

 

Durch Rodungsmaßnahmen im Wald, Windbruch oder anderen forst-wirtschaftlichen Eingriffen kann die Fähigkeit des Bodens, Stickstoff (Nitrat) zu speichern, beeinträchtigt werden was zu einer erhöhten Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser führen kann. Sowohl das Hessische Umweltministerium als auch das Bayerische Landesamt für Umwelt sehen allerdings das Risiko einer nachhaltigen Gefährdung des Grundwassers durch den Bau von Windkraftanlagen als gering an.

  • Wasserschutzgebiete Zonen I und II (WSG I und WSG II) sind in Südhessen laut erstem Entwurf des Regionalplans ohnehin nicht als Windkraft-Vorranggebiete vorgesehen.
  • Bei WSG III sollte eine Einzelfallprüfung erfolgen um den Schutz des Grundwassers sicherzustellen.

mehr: Hintergrund

 

Wertvoll, um diese Einschätzung der Umweltministerien nachvollziehen zu können, ist sicher auch die Kenntnis des Nitratgehalts im Windkraft-Vorranggebiet über das man sprechen möchte. Darüber hinaus sind die Forschungsergebnisse zum Thema "Grundwasserbelastung Fürstenfeldbruck" dabei sehr aufschlussreich.

mehr: Luftschadstoffe verursachen Nitrateinträge ins Grundwasser, Buche schützt besser als Fichte

Beispiel Taunuskamm (Wiesbaden, Taunusstein, Niederhausen, Idstein):

Wiesbaden und einige nördlich des Taunuskamm gelegenen Ortsteile von Idstein glänzen mit beneidenswert niedrigen Nitratwerten im Grundwasser (Taunusstein vermutlich ebenso - aufgrund der unübersichtlichen Veröffentlichung der Werte in Taunusstein sollten Interessierte sich den Wert der für ihren Straßenzug veröffentlicht ist am besten selbst anschauen). In Niederhausen ist der Nitratwert mit 13-14 mg/l zwar höher als diejenigen, der beneidenswerten Nachbarn. Aber auch hier kann man nicht ernsthaft über ein "sanierungsbedürftigen Grund-wassereinzugsgebiet" sprechen.

mehr: Nitrat im Trinkwasser


Als Vorsorgemaßnahme für den Erhalt und Verbesserung der guten Trinkwasserqualität sollten Fichtenbestände schrittweise in Mischwälder mit hohem Laubholzanteil umgewandelt werden - was als Anpassungsmaßnahme an den Klimawandel ohnehin erforderlich ist.


Sollte bei der Einzelfallprüfung für den Bau eines Windrads eine signifikante Stickstoff-, Nitratspeicherung im Boden festgestellt werden, so sollten geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um einer Auswaschung von zu viel Nitrat vorzubeugen (Pflanzen die Nährstoffe gut aufnehmen oder Boden abtragen oder ähnliches).

Fazit

Unser Grundwasser wird nicht durch den Bau von Windkraftanlagen mit Nitrat belastet, sondern durch unsere unreflektierte emissionsbehaftete Wirtschafts- und Lebensweise.


Hintergrund

Hintergrund

Laut dem Umweltministerium Hessen

  • ist das Risiko einer nachhaltigen Gefährdung des Grundwassers durch Nitrat beim Bau von Windkraftanlagen als gering einzustufen, da die Rodungsflächen für Windkraftanlagen im Wald vergleichsweise gering sind - allerdings sind die standörtlichen Bedingungen aber im Einzelfall zu würdigen
  • verlangen die Regierungspräsidien von den Antragsstellern im Rahmen des Genehmigungsverfahrens Vermeidungs- und Verminderungsstrategien in Bezug auf den Schutz des Bodens und die Auswaschung von Nitrat
  • wird das Rohwasser von Trinkwassergewinnungsanlagen routinemäßig untersucht
  • seien bisher keine signifikanten Hinweise auf eine nachhaltige Änderung der Nitratkonzentration in Zusammenhang mit dort befindlichen Flächen von Windkraftanlagen festgestellt worden

mehr: WK: Warnung vor Nitrat

 

Laut dem bayerischen Landesamt für Umwelt

  • können durch Rodungen Bodenstörungen entstehen, die einmalig bzw. über einen gewissen Zeitraum eine Nährstofffreisetzung auf Teilflächen zur Folge haben, sofern keine Gegenmaßnahmen wie z.B. restlose Entfernung des Oberbodens ergriffen werden
  • sollte im Bereich von Grundwassereinzugsgebieten die Zulässigkeit von Rodungsmaßnahmen insbesondere auch vor dem Hintergrund bereits bestehender Grundwasserbelastungen mit Nitrat geprüft werden wobei in sanierungsbedürftigen Grundwassereinzugsgebieten Rodungen aus wasserwirtschaftlicher Sicht abzulehnen sind
  • sind bei mindestens mittlerer Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung in Anbetracht der Entfernung zur Wassergewinnung Auswirkungen nicht zu erwarten
  • generell: absolute Ausschlussgebiete für Windkraft sind die Wasserschutzgebiete (WSG) Zonen I (Fassungsbereich: Betretungsverbot) und II (engere Schutzzone: Bodeneingriffsverbot). In WSG Zone III (weitere Schutzzone) müssen Waldstandorte wegen der Rodungsproblematik sorgfältig im Einzelfall geprüft werden. Bei der Gründung dürfen Bodeneingriffe das Ausmaß der in der jeweiligen WSG-Zone üblicherweise zugestandenen Bebauung nicht überschreiten. Vorhaben, die eine Tiefgründung erfordern sind im WSG III folglich ausgeschlossen. Beim Anlagentyp und dem Betrieb soll die eingesetzte Menge potentiell wassergefährdender Stoffe (Öle, Schmiermittel, Kühlmittel) minimiert werden, was vor allem mit getriebelosen Anlagen erreicht wird. Im Übrigen sind biologisch leicht abbaubare Hydrauliköle und Schmiermittel nach „Stand der Technik“ zu verwenden.

mehr: lfu.bayern.de: Trinkwasserschutz bei der Planung von Windkraftanlagen [Merkblatt Nr. 1.2/8 Stand: August 2012]

Buche

Luftschadstoffe verursachen Nitrateinträge ins Grundwasser, Buche schützt besser als Fichte

Ein Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat in 2006 die unerwartet hohe Nitratbelastung von 30 mg/l des Grundwassers in Fürstenfeldbruck untersucht (dieses Wassereinzugsgebiet ist zu drei Vierteln bewaldet). Ergebnisse:

  • Die Hauptursache für die hohen Nitrat-Konzentrationen liegt in der Belastung des Gebietes mit Luftschadstoffen (nahtransportiertes Ammoniums aus landwirtschaftlichen Betrieben sowie vorherrschendem Ferntransport der Vorläufersubstanzen (Stickoxide) aus Verkehr und Industrie.
  • Nach jahrzehntelanger Befrachtung des Gebietes mit Luftschadstoffen sind hohe Mengen an Stickstoff im System gespeichert (Pflanzen, Böden, Sickerwasserleiter, Grundwasserleiter).
  • Besonders ungünstig ist die Belastung unter älteren Fichtenbeständen. Die große Kronenoberfläche von Fichten stellen eine besonders wirkungsvolle Falle für Luftverunreinigungen dar. Zusätzlich haben die meist über vierzigjährigen Bestände ihre Hauptwachstumsphase bereits hinter sich, ihr Stickstoffbedarf sinkt in diesem Alter deutlich ab. Der reichlich vorhandene Stickstoff kann nicht mehr aufgenommen werden und sickert durch den durchlässigen Boden rasch in Richtung Grundwasser.
  • Unter Buchenbeständen wird das Nitrat weit besser zurückgehalten als unter Fichte. Hauptursachen sind die geringere Stickstoff-Deposition in Laubholzbeständen, die höhere Stickstoff-Aufnahme der Laubholzbestände, eine höhere Speicherung im Humus sowie Unterschiede in der Denitrifikation.
  • Der bevorstehende Klimawandel dürfte sich auch mittelbar (Vitalitätseinbußen vor allem der Fichte) und unmittelbar (Steigerung der Nitrat-Freisetzung) auf den Stickstoff-Haushalt der Wälder auswirken.

mehr: lwf.bayern.de: Nitrat im Trinkwasser aus einem bewaldeten Wassereinzugsgebiet

mehr: lwf.bayern.de: Stickstoff – vom Mangel in den Überfluss