Leider menschlich

Theoretisch wollen wir bessere Menschen sein

Als Zeitungsleser freut man sich auf Dienstag - insbesondere auch wegen der Beiträge von Michael Herl in der Kolumne der Frankfurter Rundschau. Zitat vom 07.04.2015:

"Eigentlich hätte man als einigermaßen aufgeklärtes Wesen Gründe genug, den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Was machen sie nicht alles, die Leute! Sie posaunen ihr Intimstes ins Facebook und beschweren sich über eine Bespitzelung durch amerikanische Geheimdienste. Sie wettern über die Unmoral der Banken und erwarten eine möglichst hohe Verzinsung ihrer paar Kröten. Sie eilen unaufhörlich durch die Welt und fotografieren alles und jedes und sind blind für die wesentlichen Dinge. Sie sind bestürzt über Kinderarbeit und kaufen T-Shirts für acht Euro. Sie beklagen den Klimawandel und jetten mal eben für 18 Euro nach Venedig. Sie weinen beim Anblick geschundener Rinder und rennen zum Discounter und kaufen das Kilo Hack für 5,55 Euro. Sie nennen sich Veganer und lassen sich ihre Sojafetzen zu Koteletts formen. Sie sind gegen Kriege und kaufen Aktien von Waffenfabrikanten. Je weiter man über all das nachdenkt, desto mehr Beispiele findet man und droht beinah zu verzweifeln.


Doch höret, die Welt ist nicht so schlecht, wie man denken könnte. Immer mal wieder finden sich bei näherem Hinsehen kleine, feine Nachrichten, die alles in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen, die fast schon wieder Hoffnung schüren. So wurde unlängst bekannt, dass Deutschland in diesem Jahr von einem „Event“ verschont wird, das auf der zehnstufigen Unnötigkeitsskala Platz zwölf belegt: von einem Formel-1-Rennen. Zum ersten Mal seit sechzig Jahren wird von deutschem Boden kein Getöse mehr ausgehen. Der Grund: Mangelndes Interesse der Zuschauer. Immer weniger Menschen sind bereit, für ein Heidengeld ihr Hörvermögen zu verkaufen. Oh Wunder! Was ist denn plötzlich mit den Leuten los?


Es kommt noch doller. So wollen laut einer Umfrage 82 Prozent der Deutschen weniger Autoverkehr in den Städten. Mehr noch: Sie wünschen sich eine Umgestaltung der Straßen, so dass mehr Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden sollen. 82 Prozent!


Und bei den 14- bis 17-Jährigen sind dies sogar 92 Prozent! Es steht zwar zu befürchten, dass etliche der Befragten ihren Spähpanzer nicht für ein Auto halten, dennoch ist das Ergebnis erstaunlich."


kompletter Text: fr-online: Kolumne (Michael Herl) - Leider menschlich

Umweltbewusstsein 2014

Es sind auch die Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsumfrage "Umweltbewusstsein 2014", die der aufkeimenden Hoffnung in o.g. Kolume Auftrieb gaben. Die Studie wurde am 30.3.2015 vorgestellt.

 

Zitat: "Fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) geben an, dass sie den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Bedingung zur Bewältigung von Zukunftsaufgaben wie beispielsweise die Globalisierung halten. 2012 taten dies nur 40 Prozent. Knapp die Hälfte aller Befragten hält Umwelt- und Klimaschutz zudem für eine grundlegende Voraussetzung, um den Wohlstand zu sichern (56 Prozent), die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhalten (48 Prozent) und Arbeitsplätze zu schaffen (46 Prozent)."

 

mehr: Umweltbundesamt: Umweltbewusstsein 2014: Immer mehr Menschen sehen Umweltschutz nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung