Folgen des Klimawandel - Hochgebirge

Eisschwund, neue Seen im Hochgebirge, Felssturz, Bergsturz, Flutwellen

Prof. Dr. Wilfried Haeberli (Universität Zürich) sprach am 12.11.2014 an der Goethe Universität Frankfurt im Rahmen der Vortragsreihe "Die aktuellen Auswirkungen des Klimawandel" zu dem Thema:

Eisschwund und neue Seen im Hochgebirge


Eine Sensibilisierung zu dem Thema bietet auch nebenstehende Doku.

 

Prof. Haeberli ging zu Beginn seines Vortrags auf Klimawandel und Erderwärmung ein. Die Folgen im Hochgebirge und damit verbundene Risiken und Chancen: 

  • Gletscher gehen verloren
  • neue große Seen entstehen
  • Berghänge werden instabil
  • es kann häufiger zu Bergstürzen mit Millionen an Kubikmetern Gesteins-, Geröllmasse kommen
  • Menschen und Infrastruktur in den Tälern sind durch Flutwellen aus den Bergen bedroht
  • Chancen: die neuen Seen bieten Potenzial zur Wasserkraftnutzung und zur Nutzung als Energiespeicher

Gletscher: Bei den Gletschern ist zu beobachten, dass sich die Geschwindigkeit des Eisschwunds seit 1980 auf das 4-fache beschleunigt hat und neue Phänomene wie Eiszerfall bzw. Kollaps von Gletschern in Erscheinung treten. Irreversible Schäden sind an vielen Gletschern bereits eingetreten. Die Albedo (lat. albus = weiß / Prozentanteil der reflektierten Sonneneinstrahlung) der Alpengletscher nimmt durch abnehmende Gletscherfläche, die Verschmutzung des Gletschereises und den höheren Anteil an Gesteinsschutt in den Eismassen ab.

Das Thema in den Medien

©Phönix [14.01.2014]: Gefahr aus den Bergen - Bergrutsche durch tauenden Permafrost

Immer wieder kommt es in den Bergen zum Abrutschen ganzer Hänge. Dass Hänge und Berge abrutschen, ist auf den schwindenden Permafrost zurückzuführen.



Selbst im positivsten Szenario, d.h. wenn es der Weltgemeinschaft gelingt die Erderwärmung auf +2°C gg. 1990 zu begrenzen, werden bis Mitte des Jahrhunderts etwa 3/4 der Gletschermasse weltweit verschwunden sein. Ende dieses Jahrhunderts ist im positivem Fall noch mit etwa 10-15% verbliebener Eismasse zu rechnen. Die Natur wird also leider keine Rücksicht auf die Liste der UNESCO-Weltnaturerbe nehmen.

Neue Seen: Wenn die Gletscher schwinden, entstehen an ihrer Stelle Hunderte von neuen Seen. Bei fortschreitender Erderwärmung werden alleine im Schweizer Hochgebirge jährlich drei neue Gewässer geboren - in Summe ist mit der Entstehung von  mehr als 500 größeren Seen zu rechnen. Prof. Haeberli ging auf die Entwicklung und heute erreichte Genauigkeit der Computermodelle ein und erläuterte, wie die Prognosen durch Beobachtungen an der Veränderungen der Landschaft in den vergangenen Jahrzehnten verifiziert wurden. Anhand der Modelle kann mit hoher Genauigkeit prognostiziert werden wie sich eine Eismasse bewegt und welche Falten sie wirft und wie das "Gelände unter dem Gletscher" beschaffen ist. Die neuen Seen werden eine beeindruckende Tiefe aufweisen - im Durchschnitt bis zu hundert Meter tief.

Permafrost: Permafrost ist seit Jahrtausenden gefrorener Untergrund der die Berge wie ein unsichtbarer Kit zusammenhält. Messungen durch Bohrungen >100m in den Fels zeigen, dass die durch den Klimawandel bewirkten höheren Temperaturen in den Bergebieten die Permafrostböden bereits aufweicht haben bzw. Permafrost ausschmilzt. Bis zu einer Tiefe von 60m im Fels ist eine Temperaturänderung heute nachweisbar. In den letzten 100 Jahren hat sich die Permafrostgrenze bereits 150 bis 200 Höhenmeter nach oben verschoben und wird sich zukünftig weiter verschieben. Taut der Untergrund, so werden die Bergflanken in den Permafrostzonen zunehmend instabil.

Gefahren: Einerseits können sich an der Zunge der Gletscher größere Eismassen lösen und bergab rutschen oder stürzen. Weiterhin taut das Bodeneis im Hochgebirge und dadurch kommen die Berghänge in Bewegung (kritisch bei Steigung >40%). Manchmal gleiten sie im Zeitlupentempo zu Tal. Es kann auch zu plötzlichen Hangrutschungen und Felsstürzen, zu Geröll- und Schlammlawinen kommen. Alle zehn großen Bergstürze der letzten zehn Jahre in der Schweiz haben sich in Permafrostzonen ereignet.

Stürzen größere Massen an Eis oder Fels in einen See, so entstehen Schwallwellen - bei großen Ereignissen mit einer Höhe von bis zu 30 Meter. Dies kann zu einer Flutwelle führen die ins Tal geht - mit einer Reichweite von bis zu 170km. Diese neue Gefährdungslage kann man ehesten mit einem Dammbruch vergleichen.

 

Der Verlust der Gletscher ist nicht mehr aufzuhalten. Größere Fluten könnten Eisenbahnstrecken, Straßen, Hotels und Campingplätze bedrohen. Agieren die Verantwortlichen zu spät, so sind Menschen ungenügend geschützt, wirtschaftliche Schäden unausweichlich sowie eine Beeinträchtigung des Tourismus zu erwarten.

Chancen: Offenheit, Transparenz und Vorsorge durch rechtzeitige Investitionen in Anpassungsmaßnahmen sind der richtige Weg um das Vertrauen sowohl von Bevölkerung als auch Touristen nicht zu verspielen.

In Projekten, an denen Prof. Haeberli mitwirkte, wurden bereits Frühwarnsysteme entwickelt, die einerseits die durch Überflutung bedrohten Flächen berechnet sowie akute Ereignisse im und am See misst. Mit Aufklärung der Bevölkerung kann so die verbleibende Zeit genutzt werden, damit sich die Menschen in Sicherheit bringen können sobald eine Flutwelle aus den Bergen kommt.

 

Zum Schutz von Bergwanderern ist ebenfalls Information vor Ort wichtig. Zudem muss sich der Alpenverein weiterbilden und die neuen Gefahren, die bisher im Erfahrungsschatz der Bergkenner nie vorgekommen sind, zu bewerten und entsprechend zu handeln.

Die neue Landschaft mit neuen großen Seen ist natürlich auch für Touristen attraktiv.

 

Mittel- bis langfristig sind erhebliche Investitionen zum Schutz der Menschen und der Infrastruktur notwendig.

 

Plant man dies vorausschauend, so berücksichtigt man, dass nach einem kurzeitigem Anstieg die Schmelzwasserflüsse in bestehende Stauseen in niedrigeren Gefilden in einigen Jahrzehnten schwinden. Mehrere dutzend der neuen Seen bieten dafür großes Potenzial zur Nutzung von Wasserkraft. Kombiniert man diese Seen zum Pumpspeichwerken, so bieten sich neue, bisher nicht diskutierte große Potenziale für Energiespeicher.

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