Mo

01

Dez

2014

Atomkraft unwirtschaftlich

Das Atomkraft weltweit keinen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann zeigt die Betrachtung von Wirtschaftlichkeit und Sicherheit

Bild: © Rike / pixelio.de
Bild: © Rike / pixelio.de

Atomkraft wird aus 3 Gründen künftig noch weniger zur Energieversorgung beitragen als dies heute der Fall ist:

  1. zu teuer
  2. unbedeutend
  3. anfällig

Jorgen Randers prognostiziert in seinem Buch 2052 den Rückgang von 5,5% Kernenergie am weltweiten Primärenergieverbrauch auf etwa 2-3% in 2050. Aktuelle Meldungen untermauern diese Analyse. Bei AKW Neubauten explodieren die Kosten und werden Termine zur Inbetriebnahme nicht eingehalten. Seit 2006 ist die weltweit produzierte Strommenge aus AKW rückläufig. Immer mehr alte AKW werden außer Betrieb gehen.  Der "Rückbau" alter AKW und der Neubau von AKW sind aber so immens teuer, dass die wenigen Neubauten die entstehende Lücke nicht ausgleichen können. Hinzu kommt eine neue und verschärfte Bedrohungslage - Atomanlagen sind anfällig bei Terrorangriffen.


1. Atomkraftwerke sind zu teuer

Während die Kosten für Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen seit vielen Jahren immer weiter sinken (Beispiel: Solarstromanlagen) werden neue Atomkraftwerke immer teurer.
Der Neubau eines Atomkraftwerks ist ein hochkomplexes Großprojekt. Wie die Projekte des "neuen" Druckwasserreaktors ERP von Areva zeigen, haben sich Bauzeit und -kosten gegenüber den ursprünglichen Planungen etwa verdreifacht. Aus heutiger Sicht ist eine

  • Bauzeit von 8-13 Jahren

zu sehen. Für einen ERP Reaktor (Hinkley Point, UK) wird mit

  • 15,6 Mrd. € Kosten

gerechnet. Neue Wind- und Solarstromanlagen können Strom um bis zu 50 Prozent günstiger herstellen als neue Atomkraftwerke (vgl. Agora Studie). Rechnet man Reserven zum Ausgleich der fluktuierenden Sonnen- und Windstromeinspeisung hinzu, sind aus heutiger Sicht Wind- und Solarstromanlagen  bereits um 20%  günstiger als neue Atomkraftwerke. Der Abstand wird sich in den nächsten Jahren zugunsten der Erneuerbaren Energien noch weiter verbessern.


Kein rational denkender Investor wird sein Geld in neue Atomkraftwerke stecken. Es sei denn der Staat garantiert die Gewinne und übernimmt alle Risiken. Im Falle Hinkley Point (UK) wird folgendes berichtet:

  • Die britische Regierung hat eine "Preisförderungsmaßnahme in Form eines sogenannten Differenzvertrags" zugesagt, d.h. garantiert für 35 Jahre ab Inbetriebnahme eine garantierte Einspeisevergütung von umgerechnet rund 11 Cent/kWh plus einem jährlichen Inflationsausgleich auf Preisbasis 2012 (bei einer konservativ angenommenen Inflationsrate von 2% errechnet sich aus der Anfangsvergütung und dem zugesicherten Inflationsausgleich eine Vergütung von rund 35 Cent/kWh bei Ende der Vertragslaufzeit nach 35 Jahren).
  • Zusätzlich will UK eine Bürgschaft für sämtliche Darlehen erteilen, die EdF auf den Finanzmärkten für den Bau des Kraftwerks aufnimmt. Die Baukosten für das Atomkraftwerk werden auf rund 31,2 Mrd. Euro geschätzt, eine Fremdfinanzierung soll in Höhe von rund 21,6 Mrd. € erforderlich sein.
  • Sollten die Kraftwerke aufgrund der Marktumstände gedrosselt oder gar abgeschaltet werden, so werden die Betreiber für den entgangenen Ertragsausfall durch die Regierung finanziell entschädigt.


Im November 2014 wird berichtet, dass der französische Konzern Areva vor der der Pleite steht. Da sich Areva zu 87% im französischem Staatsbesitz befindet wird diese Rettungsaktion die Franzosen nun wohl 2 Mrd. € kosten.
mehr: Berliner Zeitung: Finanz-GAU im Atomenergie-Geschäft
mehr: Fell: Atomrenaissance geht in Konkurs

Hinzu kommen Kosten und Risiken, für die letztlich ohnehin die Staaten aufkommen (vgl. Schäden durch Atomkraft Das Billionen-Dollar-Desaster) - zuzüglich der Kosten und Risiken für die Endlagerung des Atommülls für zehntausende von Jahren.


2. Beitrag der Atomkraft zum Primärenergieverbrauch ist unbedeutend

Datenquelle: BP Statistical Review of World Energy
Datenquelle: BP Statistical Review of World Energy

Die Stromproduktion aus Atomkraft ist rückläufig. In 2011 steuerte Atomkraft lt. IEA noch etwa 5% zur Deckung des weltweiten Primärenergieverbrauch bei.

In 2013 wurde im Vergleich zum Höchststand weltweit 11% weniger (gg. 2006) und in EU um 13% weniger (gg. 2004) produziert. Von Versorgungssicherheit kann bei Atomkraft nicht gesprochen werden wie der Einbruch in Japan nach der Fukushima Katastrophe zeigt.

In der EU produzieren die beiden Atommächte Frankreich und UK sowie Deutschland in Summe etwa 70% des Atomstrom der EU. In 2013 wurde 15% weniger produziert als 2004. Der Atomausstieg in Deutschland, das Programm in Frankreich zur Reduzierung der Abhängigkeit vom Atomstrom und die Abschaltung alter AKWs in UK werden diesen Rückgang ganz erheblich verstärken.

Weltweit liegt das Dilemma der Atomkraft in der Tatsache, dass bis 2040 laut IEA etwa die Hälfte aller laufenden AKW aufgrund ihres hohen Alters abgeschaltet werden. Alleine diese etwa 200 Meiler zurückzubauen würde laut IEA 100 Milliarden Dollar kosten (zum Vergleich: in Deutschland belaufen sich die Rückstellungen für die 22 noch rückzubauenden kommerziell genutzten AKWs aktuell auf 36 Mrd. € - es wäre also nicht verwunderlich, wenn die Gesamtkosten für Rückbau weltweit deutlich höher werden als von der IEA geschätzt).

Zu diesen Kosten kommt die Entsorgung des Atommülls. Die Menge des hochradioaktiven Abfalls aus den kommerziellen Reaktoren wird sich nach IEA-Schätzungen bis zum Jahr 2040 auf mehr als 700.000 Tonnen verdoppeln. Unfassbar ist, dass 60 Jahre nachdem das erste AKW ans Netz ging noch immer kein Land auf der Welt ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Betrieb genommen hat.

Die Branche versucht über Laufzeitverlängerungen und Erhöhung der Stromproduktion aus Alt-Meilern mehr Strom - sprich: mehr Geld - herauszuholen: auf Kosten der Sicherheit! Das Dilemma der Atomkraft wird damit aber nicht gelöst sondern nur verzögert - solange kein weiterer großer Atomunfall geschieht.

mehr: Die Zeit: Kernenergie - Eine atomare Resterampe


3. Anfälligkeit von Atomanlagen für menschliches Versagen, Naturkatastrophen und Terrorangriffe

Atomkraftbefürworter sprechen immer noch davon wie extrem gering die Wahrscheinlichkeit eines Super GAU sei - obwohl Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima und eine viele weitere "Störfälle" das Gegenteil bewiesen haben. Sie ignorieren den "Faktor Mensch".

 

Irren ist menschlich. Dass der Reaktor in Tschernobyl explodierte ist schlicht auf Fehlbedienung zurückzuführen. Subtiler liegt der Fall Fukushima. Ausgangspunkt dieser Katastrophe liegt darin, dass Verantwortliche (Betreiber und Aufsicht) die Warnungen von Fachleuten ignorierten, die Staumauer zu erhöhen um gegen die in dieser Gegend potentiell auftretenden hohen Tsunamis geschützt zu sein. Die Verantwortlichen haben mit hohem Einsatz gespielt - die Menschen um Fukushima haben verloren. Was die Verantwortlichen, nach dreieinhalb Jahren Schonfrist, nicht davon abhält zwei Reaktoren in Sendai/Japan wieder anfahren zu wollen - 50 Kilometer vom permanent aktiven Vulkan Sakurajima entfernt. Und dies trotz des Umstands, dass selbst die atomfreundliche IAEA 160km Mindestabstand zu vulkanisch aktiven Gebieten vorschreibt.

Was aber, wenn aufgrund von Konflikten gezielte, böswillige Angriffe auf Atomanlagen ausgeführt würden. Die unter "Terrorangriffen" denkbare Bedrohungslage hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Wenn also Betreiber und Staatsmacht potentielle Terrorangriffe gegen AKW nicht absolut sicher abwehren können, so ist doch das einzig konsequente Handeln, die gefährdeten AKWs sofort abzuschalten. In Europa gibt es derzeit mit einer Überkapazität von 100 GW Kraftwerksleistung ausreichend Spielraum um AKWs abzuschalten.

Aktuell: Risiko bei potentiellen Terrorangriffen aus der Luft durch Drohnen

Mehr als 30 Mal haben unbekannte Drohnen in den vergangenen Wochen französische Atomkraftanlagen in geringer Höhe überflogen, darunter auch die Meiler von Cattenom und Fessenheim nahe der deutschen Grenze. Umweltschützer warnen vor Terroranschlägen. Nun beschäftigen die mysteriösen Überflüge die französische Nationalversammlung.

mehr: Frankreich Angst vor Anschlägen auf Atommeiler

Greenpeace hat zur Verwundbarkeit von Atomanlagen eine Studie erstellt. Forderung - Zitat:  „Die überalterten Atomanlagen müssen abgeschaltet werden, bis die Hintergründe der Drohnenüberflüge geklärt sind“, verlangt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. „Die Anlagen sind absolut unzureichend gegen Angriffe gesichert. Die Bevölkerung wird nicht ausreichend informiert.“

mehr: Greenpeace: Gefahr aus der Luft

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