Niedernhausen gegen Windkraft

GroKo Niedernhausen sagt NEIN zur Windkraft und erteilt damit gleichzeitig aktivem Klimaschutz eine Absage.

Die Große Koalition aus CDU und SPD hat sich in Niedernhausen gegen die Nutzung von Windkraft ausgesprochen. Die Zustimmung auf der Gemeindevertreter-Sitzung, die am 12.12.2013 ab 19:30 in der Autalhalle stattfindet, gilt als sicher.

Lt. Pressebericht wurde auf das Klimaschutzkonzept Niedernhausen verwiesen und vier Gründe für die Ablehnung genannt:

  1. gravierender Landschaftseingriff
  2. Beeinträchtigung der Niedernhausener Bevölkerung
  3. negativen Auswirkungen auf die Attraktivität Niedernhausens
  4. breiter Bevölkerungswunsch, den Taunuskamm von Windenergieanlagen freizuhalten und diesen als Naherholungsgebiet zu erhalten

Dass durch demokratische Wahl legitimierte Vertreter Beschlüsse fassen, ist selbstverständlich.

Trotzdem sei uns erlaubt in dieser Sache begründet zu protestieren.

Niedernhausen entscheidet sich damit gleichzeitig gegen aktiven Klimaschutz: Im Klimaschutzkonzept Niedernhausen (siehe unten) wurde klargestellt, dass die Nutzung von Erneuerbaren Energien entscheidender Bestandteil ist. Da knapp 60%  des Potenzials bei Erneuerbaren Energien alleine bei der Windkraft liegen, ist aktiver Klimaschutz ohne Windkraft in Niederhausen nicht machbar.

 

Niedernhausen sagt NEIN zur Windkraft, ohne einer vorherigen sachlichen Prüfung durch Gutachten überhaupt eine Chance zu geben: Die Aussage, eine Beeinträchtigung von Bürgern läge vor, ist sachlich nicht begründet.

Niedernhausen sagt NEIN zur Windkraft, ohne vorher die Bürger zu fragen: Es gab seitens der Gemeinde keine Umfrage oder Abstimmung in der Bevölkerung zu diesem Thema. Ob ein breiter Bevölkerungswunsch vorliegt, ist deshalb nicht feststellbar.

 

Besonders schwer wiegt aus unserer Sicht die Tatsache, dass das Bewusstsein und Verantwortungsgefühl bei unseren Gemeindevertretern in Bezug auf den Klimaschutz so schwach ausgeprägt ist. Jeder, der am 12.12.2013 gegen Windkraft und damit gegen aktiven Klimaschutz abstimmt, muss sich früher oder später vor seinem eigenen Gewissen verantworten warum sie/er nicht aktiv etwas gegen den Klimawandel, die drohende Klimakatastrophe und damit für unsere Kinder und folgende Generationen getan hat.

Es bleibt zu hoffen, dass die Gemeindevertreter nach der Abstimmung zumindest zu ihrer Entscheidung stehen und ehrlich sind. Wenn sie nach der Abstimmung der Öffentlichkeit mit Worthülsen wie "Bekenntnis zum Klimaschutz" oder ähnlichen taktische Aussagen gegenübertreten würde dies den Politikverdruss steigern.

 

Quellen:

   Wiesbadener Kurier: Niedernhausen [11.12.2013]: Politischer Windkraft-Wirbel

   Wiesbadener Kurier [13.11.2013]: Niedernhausener Koalition gegen Windräder

Klimaschutzkonzept Niedernhausen (Stand Juni 2013)

Die Erstellung des "Integrierten Klimaschutzkonzept Niedernhausen" wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutz Initiative vom Bundesumweltministerium mit Fördermitteln unterstützt. Die Zwischenergebnisse vom 17. Juni 2013 wurden im September 2013 den Gremien vorgestellt, vom Gemeindeparlament mit großer Mehrheit gebilligt und auf der Homepage der Gemeinde Niederhausen veröffentlicht:

mehr: Klimaschutzkonzept Niedernhausen.

Betrachtet wurden Energie- und CO2-Bilanz sowie Potenziale zur Energieeinsparung in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr. Der Bereich Konsum wurde nicht betrachtet.

Besonders wichtig ist die Betrachtung der Potenziale zur Nutzung von Erneuerbarer Energien. Dazu gab es folgendes Ergebnisse:

  • 60.000 MWh Windkraft: 135% des aktuellen Strombedarf
  • 16.100 MWh Solarthermie: 11% des aktuellen Wärmebedarfs
  • 12.300 MWh Photovoltaik: 28% des aktuellen Strombedarfs
  • 8.300 MWh Biomasse, davon Holz 5.800 MWh, Landwirtschaft 2.300 MWh und  Abfälle/Abwasser 200 MWh
  • 7.300 MWh Geothermie: kein Potenzial bei Tiefengeothermie, Potenzial bei Oberflächennaher  Geothermie mittels Wärmepumpen für Neubauten von bis zu 5 % des aktuellen Wärmebedarfs
  • Wasserkraft: kein relevantes Potenzial

 

Wind macht demnach etwa 58 % und Sonne 27 % des gesamten Potenzials zur Nutzung Erneuerbarer Energien aus.


In der Zusammenfassung werden 2 Szenarien vorgestellt. Mögliche Einsparung von CO2 Emissionen von 2011 bis 2030:

  • 14 % im "weiter so Szenario"
  • 39 % im "Aktiv Szenario"

 

Als Vorschlag für die Klimaschutzziele der Gemeinde Niederhausen wurde vorgeschlagen:

  • Reduktion Energiebedarf bei Wärme und Strom
  • Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien (100%, d.h. im Jahresdurchschnitt so viel Strom erzeugen wie verbraucht wird)


Ziel: Senkung der CO2 Emissionen um mindestens 35% (Basisjahr 2011)

 

 

Quellen:

  • Wiesbadener Tageblatt: Klimaschutz: Parlament bescheidet Zwischenbericht positiv
  • Gemeinde Niedernhausen: Klimaschutzkonzept für die Gemeinde Niedernhausen
  • BMU: Deutschlands Engagement für den Klimaschutz