Do

31

Okt

2013

Folgen von Atomkatastrophen

Die Folgen von Tschernobyl und Fukushima sind für die betroffenen Menschen dramatisch. Wer dem Aufmerksamkeit widmet, würdigt die Betroffenen und trägt dazu bei, dass die Gesellschaft daraus lernt.

Nach den Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima stieg jeweils die öffentliche Aufmerksamkeit und der Widerstand gegen Atomkraft.

 

Offizielle Nachrichten von den Betreibern der havarierten Reaktoren, von kernkraftfreundlichen Politikern, UN-Organisationen wie IAEA, UNSCEAR in deren Satzung bzw. Konstituierung die Förderung der friedlichen Nutzung der Atomenergie verankert ist, sorgten danach jeweils kontinuierlich für beschwichtigende, verharmlosende Nachrichten. Sobald in der Öffentlichkeit das Vergessen und Verdrängen wieder überwiegt, forciert die in einigen Staaten sehr mächtige Atomlobby erneut ihre Aktivitäten. Bürger, die ihre Nachrichten im Wesentlichen aus solchen Quellen beziehen beginnen dann wieder den Argumentationsketten der Atomlobby zu folgen. Es ist erschreckend zu beobachten, mit welcher Gefühlskälte und Zynismus sich in einzelnen Fällen Atomkraftbefürworter bereits wieder in vielen Blogs und auf Facebook äußern.

Überblick: Fukushima

Zusammenfassung zu Hintergründen, Ursachen für den Super GAU, Verlauf und aktuelle Risiken ZDFzoom [11.03.2013, 29:14]: Die Fukushima-Lüge

Die Sendung ist sehr wertvoll, da u.a. der in 2011 amtierende Japanische Premierminister Naoto Kan, Experten des Reaktorherstellers General Electric sowie Experten die vor Ort in der Atomruine arbeiten zu Wort kommen. Zum Inhalt (Auszüge): "Schwere Sicherheitsmängel in Fukushima waren lange vor der Katastrophe bekannt. Die äußerst einflussreiche Atomlobby (in Japan das "Atom-Dorf" genannt) gab der Wirtschaftlichkeit die Priorität und hatte verhindert, dass die notwendigen Vorkehrungen bzw Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt wurden. So waren nicht Erdbeben und Tsunami die Ursachen des Super GAU. In der Dokumentation wird berichtet, wie Tepco Vertuschung bis hin zur Fälschung von Wartungsberichten betrieb. ........"

 

Eine "Fukushima-Zwischenbilanz" finden Sie hier

Tschernobyl und Fukushima Folgen

Meinungsbildung zu den Folgen von Atomkatastrophen kommt ohne fundierte Nachrichten von unabhängigen Journalisten und atomkritischen Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) nicht aus.

In Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen und Folgen arbeitet IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung / Friedensnobelpreisträger) seit mehreren Jahrzehnten an diesem Thema. Aktuell kritisieren IPPNW-Ärzte aus Deutschland, den USA, Schweiz, Frankreich, Italien, Nigeria, Malaysia, Ägypten und den Niederlanden in ihrer Analyse den am 25.10.2013 vorgelegten Bericht von UNSCEAR (Komitees der Vereinten Nationen für die Folgen von Strahlung da er systematisch das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen der Fukushima-Katastrophe verharmlose. Es handele sich um eine gezielte Missinformation der Öffentlichkeit.

mehr: IPPNW: Gesundheitliche Auswirkungen werden systematisch unterschätzt

mehr: IPPNW Pressemitteilung: 27 Jahre Tschernobyl - 2 Jahre Fukushima

mehr: IPPNW: Tschernobyl Folgen

mehr: IPPNW: Fukushima Folgen

Verstrahlter Ruhm - Die Liquidatoren von Tschernobyl

Nehmen Sie sich 45 Minuten Zeit, hören Sie Betroffenen zu:

 

mehr: dradio.de: Verstrahlter Ruhm - Die Liquidatoren von Tschernobyl, Von Axel Reitel [43:29]

 

"Weltweit hieß es nach dem Gau, eine derartige Katastrophe dürfe es nie wieder geben. 25 Jahre später geschah der Supergau in Fukushima."

 

Kurzer Überblick: In einem Feature, gesendet am 22.10.2013 im Deutschlandfunk, wird

  • der Ablauf des GAU von Tschernobyl
  • die gesundheitlichen Folgen
  • die sozialen Folgen von Tschernobyl

aus Sicht der Arbeiter, der sogenannten Liquidatoren und weiteren Betroffenen geschildert.

 

Offizielle Stellen verleugneten und verharmlosten lange Zeit die Katastrophe. Am havarierten Kraftwerk fielen japanische Roboter wegen zu hoher Strahlung aus, Menschen wurden zum Arbeits-Noteinsatz geschickt. Um die 85.000 aus dem Umkreis des Kraftwerks evakuierten Menschen wurde sich nicht ausreichend gekümmert. Menschen,  die bei der Arbeit am Kraftwerk verstrahlt wurden und es geschafft hatten in Spezialkliniken aufgenommen zu werden, berichten von ihrem persönlichen Schicksal und organisierter Vertuschung der Folgen auf Veranlassung offizieller  Stellen.

 

Die UNO-Organisation UNSCEAR berichtet von nur 29-50 Todesfällen durch Tschernobyl. Betroffene Menschen, die sich engagiert und organisiert haben, berichten von etwa 1 Million Menschen die "verheizt" wurden. Alleine in der Ukraine bezogen bereits vor einigen Jahren 15.000 Familien offiziell Staatsrente als Tschernobyl Opfer. Schätzungen gehen mittlerweile von 100.000 bis 150.000 Toten Liquidatoren aus.

 

Die Betroffenen erleben soziale Ausgrenzung. Mittel zur sozialen Absicherung für Tschernobyl-Liquidatoren und Umsiedler wurden in vielen Fällen nicht wie gesetzlich vorgesehen anerkannt und ausgezahlt. Betroffene müssen oft den Großteil an Medikamenten und Behandlungen selbst finanzieren. Im Filz der Ukraine blühte zu allem Überfluss Betrug und Fälschung um Hilfsgelder für Tschernobyl Opfer "umzuverteilen". Nach der Unabhängigkeit fühlten sich die Regierungen in der Ukraine nicht mehr in der Lage die gesetzlich zugesagten Hilfen zu leisten - und änderte Rahmenbedingungen, kürzten und verzögerten Renten.

Rettungsarbeiter von Fukushima

Die Situation in Fukushima ist anders als sie in Tschernobyl war. Gleichwohl gibt es mehr als genug Gefahrenquellen für die Arbeiter vor Ort. Sollte sich, z.Bsp. durch ein Naturereignis wie ein Taifun oder Erdbeben, die Situation und Strahlenbelastung vor Ort drastisch verschlimmern (Beispiel: Gefahrenpotenzial der 1.535 Brennstäbe im Abklingbecken im maroden Block 4) würde sich die Gefährdung für die Arbeiter drastisch erhöhen. Welcher Plan dann umgesetzt würde ist uns nicht bekannt.

 

Wichtig genug um zu fragen: hat man für Fukushima aus Tschernobyl gelernt und ist beim Einsatz der Rettungsarbeiter im Hochtechnologieland Japan alles in Ordnung?

 

Die folgenden Pressemeldungen sprechen leider eine andere Sprache (Zitate)

  • AKW-Betreiber Tepco verheimlicht und verharmlost das Ausmaß des Unfalls (Zeit/7.09.2013)
  • die Atomkatastrophe ist für die japanische Regierung ein Desaster, das sie wohl noch mindestens die nächsten 30 Jahre beschäftigen wird und rund 150 Milliarden Dollar verschlingen soll (Reuters, ORF / 25.10.2013).
  • Rund 800 Firmen sind allein auf dem AKW-Gelände selbst in die Arbeiten verflochten, viele von ihnen nicht registriert. Die Firmenverflechtungen gehen zum Teil über sieben oder mehr Ebenen. Eine TEPCO-Untersuchung von 2012 zeigt, dass rund die Hälfte der etwa 50.000 Arbeiter von einem anderen Unternehmen eingestellt wurden als dem, für das sie dann tatsächlich arbeiteten (Reuters, ORF / 25.10.2013).
  • die Sicherheit der Arbeiter war bei Tepco nie die Priorität (Zeit/7.09.2013)
  • Juli 2013: von 19.500 Arbeitern die in Fukushima im Einsatz waren und auf erhöhte Strahlendosis untersucht wurde war bei etwa 2.000 Arbeitern die Strahlendosis von 100 Millisievert überschritten; der WHO waren im Dezember 2012 nur 178 Arbeiter gemeldet worden (Zeit/7.09.2013)
  • Oktober 2013: Einsatzkräfte am havarierten Atomkraftwerk Fukushima sind deutlich stärker verstrahlt worden als zunächst angenommen. Viele der Arbeiter sind mit einer Zeitverzögerung nach einem Einsatz untersucht worden. Die Auswirkungen der Strahlung von bestimmten Jod-Isotopen konnten so nicht mehr erfasst werden, da diese nur eine Halbwertszeit zwischen zwei und 20 Stunden haben.
  • Oktober 2013: Die Arbeiter, die versuchen müssen, die zerstörte Atom-Anlage von Fukushima zu retten, werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt: Unterirdische Bezahlung, elende Unterkünfte, keine medizinische Betreuung. Die Katastrophe entwickelt sich zur humanitären Schande.

Anmerkung: Aufgrund der Strahlenbelastung müssen ständig Arbeiter ausgetauscht und neue angeworben werden - mit den naheliegenden Fragen zu Ausbildung und Motivation.

 

In den Medien (Reuters,  ORF, Zeit Online) kommen darüber hinaus Missstände zur Sprache, denen durch die undurchsichtigen Subunternehmer-Struktur Vorschub geleistet wird (Reuters titelt: geringer Lohn, hohes Risiko, Gangster). Laut Reuters ermittelt die Polizei zum Gebaren dieser Subunternehmen - es hält sich hartnäckig das Gerücht, auch die japanische Mafia (Yakuza) habe ihre Finger im Spiel. Zitat (Welt online): "So halten sich hartnäckige Gerüchte, dass die Yakuza, Japans Mafia, dem Kraftwerksbetreiber längst behilflich ist. Die Journalisten und Yakuza-Experten Jake Adelstein und Tomohiko Suzuki berichten beide, dass die organisierte Kriminalität ihre Schuldner, die wohl anders als durch deren Arbeitskraft nicht zahlen können, nach Fukushima verfrachtet."

 

mehr: Zeit-Online: Die Lügen von Tepco

mehr: Spiegel-Online: Krebsrisiko von fast 2000 Arbeitern erhöht

mehr: Focus online: Fukushima-Arbeiter deutlich schlimmer verstrahlt

mehr: ORF: Tepco - Spitze einer fragwürdigen Pyramide

mehr: Reuters: Special Report: Help wanted in Fukushima: Low pay, high risks and gangsters

mehr: The Guardian: Plummeting morale at Fukushima Daiichi as nuclear cleanup takes its toll

mehr: DTN: Fukushima: Rettungsarbeiter wurden massiv ausgebeutet

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