Atomkraftwerk in England

Französisch-chinesisches Konsortium soll zwei neue Atomreaktoren in England bauen

Die britische Regierung will mit dem französischen Energiekonzern EDF einen Vertrag zum Neubau von 2 Atomreaktoren schließen. Zwei Druckwasserreaktoren (EPR) mit einer Kapazität von je 1,6 Gigawatt sollen bis 2023 im südwestenglischen Hinkley Point in Betrieb gehen. EDF ist mit 45 – 50 % an dem französisch-chinesischen Konsortium beteiligt. Zum Konsortium gehören Areva mit 10% sowie die beiden chinesischen Partner CGN und CNNC mit 30–40 %. Weitere Investoren für etwa insgesamt 15 % werden noch gesucht.

 

18,9 Mrd. € Baukosten sind geplant. Lt. Pressemitteilungen bürge der Staat zu 65 % für die Baukosten. Zudem ist von der Regierung ein Einspeisetarif von 10,6 ct/kWh für die nächsten 35 Jahre zugesagt, die Inflation werde zusätzlich addiert. Die Vergütung sei damit aktuell etwa doppelt so hoch wie der derzeitige Marktpreis. Die EU muss dem Vorhaben zustimmen. Eine endgültige Entscheidung zum Projekt erwarten die Partner bis Sommer 2014.

 

Großbritannien muss in den nächsten 15 Jahren zwei Drittel der alten Kraftwerksleistung ersetzen. Dies sind 8 der 9 Atomkraftwerke sowie alte Kohlekraftwerke. Eine Wende zu Erneuerbaren Energien hat Großbritannien bisher verschlafen und ist signifikant nur im Bereich Windkraft auf See aktiv - mit den damit verbundenen technischen und wirtschaftlichen Problemen. Demgegenüber sind Bedenken gegen Atomkraft wie Restrisiko sowie Folgeschäden nach einem Super GAU sehr schwach ausgeprägt. Die Frage der Entsorgung des Atommülls ist auch in Großbritannien ungeklärt. Die Sicherheitsbedenken richten sich eher dagegen, China den Schlüssel zur Kontrolle der britischen Stromversorgung zu überlassen. Ein europäisches oder anglo-französisches Konsortium hat sich für das Projekt aber nicht gefunden.

 

Das Projekt, insbesondere die Subvention über den garantierte Abnahmepreis, muss noch von der EU genehmigt werden. Kürzlich hatte der EU Wettbewerbskommissar Almunia den Vorschlag zur Subventionierung von Atomkraft, den vor allem Frankreich und England favorisiert hatten, vielleicht auch aufgrund von  öffentlichem Widerstand, aus seiner Vorlage zu den neuen EU Subventionsrichtlinien gestrichen.

 

Atomstrom wird immer teurer, Solar- und Windstrom immer preiswerter.

 

Bemerkenswert ist der Vergleich der kalkulierten Atom-Einspeisevergütung mit dem aktuellen Stand bei Erneuerbaren Energien in Deutschland. Die kalkulierte Atomkraft-Einspeisevergütung ist bereits jetzt im Vergleich zu PV-Freiflächenanlagen (9,88 Cent/kWh) und Windkraft an Land (sechs bis neun Cent/kWh) teurer. Bei EE-Anlagen ist darüber hinaus mit weiteren Kostensenkungen zu rechnen, die Förderung ist jeweils auf 20 Jahre begrenzt.

Die Atomkraftsubvention würde über 35 Jahre laufen. Was geschieht, wenn die Projektkosten aus dem Ruder laufen, wie das bei den Projekten in Finnland und Frankreich der Fall war, ist offen. Ob Kosten für Entsorgung des Atommüll und Rücklagen für potentielle Folgeschäden überhaupt und in ausreichender Größenordnung in der Kalkulation enthalten ist, ist uns nicht bekannt.

 

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Nachtrag/Kommentar 30.10.2013:

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