Fukushima: verseuchtes Wasser fließt ins Meer

Fukushima: 300 Tonnen radioaktiv verseuchtes Grundwasser fließen täglich ins Meer - vermutlich bereits seit zwei Jahren. Die japanische Atomaufsicht kritisiert Tepco scharf. Die Regierung ordnet Sofortmaßnahmen an. Premierminister Shinzo Abe beauftragte das Wirtschaftsministerium, das in Japan nach wie vor der Atomindustrie wohl gesonnen ist, mit der Problemlösung.

Umweltverbände warnen seit geraumer Zeit vor den Gefahren des Austritts radioaktiv verseuchten Wassers und weisen auf massive Auswirkungen in den maritimen Lebens- räumen hin. Tepco hatte erst nach langem Zögern eingeräumt, dass es Probleme mit dem steigenden radioaktiv verseuchtem Grundwasser gibt. Eine Expertenkommission hat kürzlich ihren Bericht vorgelegt. Danach hat sich die Informationskultur Tepcos nicht verbessert, die Experten bescheinigen Tepco eher Inkompetenz als Absicht und äußerten ihre Sorge darüber, dass Tepco wieder KKW betreiben möchte.


In Wasserproben aus den Kabelkanälen unter dem havarierten Reaktor 2 wurden nach der Katastrophe im April 2011 rund 3,6 Milliarden Becquerel unter anderem an Cäsium, Strontium und anderen Nukliden pro Liter gemessen, jetzt 3,1 Milliarden. Mit Billigung der Regierung hatte Tepco damals Zehntausende Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer geleitet. Laut aktuellen Angaben von Tepco sind seit der Katastrophe 20 bis 40 Billionen Becquerel des radioaktiven Stoffs Tritium ins Meer gelangt. Nun wollen sie ermitteln, wie viel Strontium und Cäsium bereits entwichen sein könnte.

 

Aktuell geht es darum, dass an Beobachtungsbohrungen für das Grundwasser hohe Konzentrationen an Tritium, Radiostrontium und Radiocäsium gemessen werden. Um diesen Strom aufzuhalten, hat Tepco im Juni Chemikalien in den Untergrund injiziert die eine Barriere bildeten. Dahinter sammelt sich das verseuchte Wasser und fließt nun darüber und dann in den Pazifik. Nun will man den Boden in einem Umkreis von 1,4 km und einer Tiefe von 30m rings um die Reaktoren einfrieren  und so eine neue, größere Barriere schaffen. Probleme: die "Permafrostlösung" wird kaum vor 2015 wirksam und es gibt noch keinerlei Schätzung für die Kosten. Sie muss dann natürlich auch sehr langfristig Bestand haben.

 

Seit der Katastrophe fallen täglich 420 Tonnen vor allem mit Cäsium und Strontium belastetes Wasser aus der weiterhin notwendigen Kühlung der Reaktorkerne an. Dieses wird in Tanks auf dem Gelände gelagert - bisher 1000 Tanks mit  1000 Liter Fassungsvermögen. Die Tanks sind zu 85 Prozent voll, die Kapazitätsgrenze wird etwa im November oder Dezember erreicht sein. Ein Versuch von Tepco, erneut eine Erlaubnis zur Einleitung von verseuchtem Wasser ins Meer zu bekommen war im Frühjahr 2013 gescheitert - die Fischereibetriebe der Region und benachbarter Staaten wehren sich dagegen. Tepco plant, die Lager bis zum Jahr 2015 von derzeit 380.000 Tonnen auf 700.000 Tonnen auszuweiten und hat, um Platz zu schaffen, dafür bereits Wald auf dem Gelände gerodet.

 

Parallel sind Pressemeldungen erschienen, dass Japan zwischen Mitte Juli 2014 und Frühjahr 2015 vier der derzeit stillgelegten 50 Kernreaktoren wieder ans Netz bringen will um Strom zu produzieren.

 

Japan will auch den Ausbau von Wind- und vor allem Solarenergie nach einem ähnlichen System wie in Deutschland vorantreiben. Analysten erwarten, dass Japan 2013 so zum weltgrößten Markt für Solaranlagen wird. Allerdings hat das Land nun einen weiten Weg vor sich da der Ausbau der Erneuerbaren in der Vergangenheit nicht für nötig gehalten wurde.

 

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ARD-aktuell / tagesschau.de:
Sendung: Atomruine Fukushima: Sorge um verstrahltes Wasser [07.08.2013, 15:48]

Autor: Peter Kujath, ARD Tokio

 


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